Heute bei der Teambesprechung hat meine Kollegin Bea gefehlt, was ziemlich untypisch ist. Die Chefin hat nur mitgeteilt, dass Bea heute aus privaten Gründen nicht teilnehmen könne und aktuell Urlaub eingereicht habe. Die anderen fünf Kolleginnen im Team haben die Info einfach hingenommen, doch ich habe begonnen, mir ein bisschen Sorgen zu machen. Als das Meeting dann vorbei war, habe ich Bea eine kurze Nachricht geschickt, gefragt, ob alles okay ist und wie es ihr geht. Es kam erstmal keine Antwort, also habe ich mich mit den üblichen Aufgaben und To-Do’s aus dem Meeting beschäftigt. Kurz vor Feierabend piepste mein Smartphone, zwei kurze Zeilen:
„Danke für deine Nachricht. Hier ist grad privat Land unter, ich bin ausgezogen. Melde mich, wenn ich wieder sortiert bin.“
Ui – das klingt heftig, dachte ich. Beas Mann Michael kannte ich nur vom Sehen und Erzählen. Ich hatte vor mehr als einem Jahr von Bea gehört, dass es stressig sei zu Hause, weil er seinen Job verloren hatte. Seine Bewerbungen fanden wenig Resonanz, er war Mitte fünfzig und sein Wissen scheinbar nicht mehr so gefragt. Das zumindest hatte sie mir bei einem längeren Kaffee beim Bäcker mal im Vertrauen erzählt. Sonst teilte sie sich selten privat mit, war eher zurückhaltend und klug in ihren Kommentaren im Team. Ich schätzte sie sehr, nicht nur fachlich. Ihre ruhige Art hatte etwas Ausgleichendes.
Ich legte mein Smartphone zur Seite, nachdem ich noch einen Smiley und ein „Daumen hoch“ gesendet hatte. Dann schnappte ich meine Jacke und Tasche, knipste das Licht aus und schloss die Bürotür hinter mir. Auf dem Nachhauseweg kaufte ich noch schnell ein paar Zutaten für das Abendessen und kam kurz nach meinem Mann André zu Hause an. Wir kochten häufig zusammen, während wir uns gegenseitig vom Tag erzählten.
Der Neuanfang
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