Der Panikraum

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Der Panikraum

Der Panikraum

Ralf Böhmer

Seine ganz große Leidenschaft. Er war Rettungsschwimmer beim DLRG und Gerätetaucher. Wasser war seine große Liebe. Alice sagte dazu nur: „Ich bin ohnehin so gut wie tot. Wirst du mich wohl ertränken, denn ich kann nicht schwimmen!“
Seine Antwort war nicht weniger makaber: „Gut, aber nur wenn nicht so viele Zeugen da sind!“
Im Schwimmbad ging es schon gut los, als die Dame an der Kasse sagte: „Julian, wir sind hier nicht behindertengerecht, das weißt du doch, oder?“
„Klar weiß ich das. Das habe ich ja auch mit Absicht so ausgesucht. So kann ich die Lady hier mehr anfassen!“
Klar, blöde Sprüche hin und her, und Alice wurde hier schon schwer beäugt. Sie schien wohl vom Mars zu kommen. In einer Familienumkleide hob er sie aus dem Stuhl, auf die Bank und fuhr den Rollstuhl auf die andere Seite. So zogen sie sich aus und Julian setzte sie erst im Badeanzug wieder in den Stuhl, bevor er mit ihrer Hilfe die Sachen in einen Spind räumte. Auch der Weg zu den Duschen war wieder so ein Ding. Treppen, überall. So trug er sie die Treppe hinunter, vor die Damenduschen, wo er erst mal von einer dicklichen Mama einen Anschiss bekam, weil er hier nichts zu suchen hätte.
Er als perverser Sack.
Julian, aber auch Alice, ließen sie kommentarlos stehen, und er brachte den Rollstuhl nach, um unten Alice von der Treppenstufe aufzuheben und wieder in den Stuhl zu setzen, was die Mutti peinlich berührt, trocken schlucken ließ.
In der Schwimmhalle war es dann das Gleiche. Ein Bademeister, der kam, um zu meckern, aber Julian dann nur erleichtert grüßte und wieder abzwitscherte. Alice wurde hier begafft, dass sie am liebsten im Boden versunken wäre. Julian sah es auch, ließ sich aber nicht beirren. Er hob sie aus dem Stuhl und ging mit ihr auf dem Arm, langsam eine Treppe hinunter ins Wasser.

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