Der Panikraum

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Der Panikraum

Der Panikraum

Ralf Böhmer

Und so war eine erste Aufgabenstellung für Julian, dass er mal ein kleines Gutachten über die Sicherheitsanlage im Haus ihrer Eltern machen sollte.

Das machte er aber dann erst im neuen Jahr, während auch sie wieder mit der Arbeit beginnen würde. Sie hatte Germanistik studiert und arbeitete als Lektorin für einen Verlag. Ihre Leseleidenschaft half ihr dabei natürlich sehr und er fand, dass sie damit ja wohl optimal getroffen hatte. Nicht nur von zu Hause aus, sondern auch eben im Sitzen möglich, wussten die meisten Leute, mit denen sie zu tun hatte, nicht mal, dass sie im Rollstuhl saß. Hier optimierte Julian in Kleinigkeiten fast ständig irgendwelche Dinge, wie die Küche, den Spiegel im Bad, um ihr das Leben einfacher zu machen und ihr den Aufenthalt zu erleichtern.
Der Abend lief dann wieder wie der am Vortag, wobei sie dieses Mal gleich konsequent waren und einfach nackt schlafen gingen. Logisch, dass Julian dabei eine unglaubliche Latte bekam, die sie ihm auch mal kurz und sanft streichelte, aber er durfte ja noch nicht. Er musste noch warten. Ein tierisch schönes Gefühl war es trotzdem und zwar für beide. Für Alice war es sogar das erste Mal, dass sie überhaupt solch eine Nähe zu einem anderen Menschen spürte.
Der 31.12. war gekommen und startete wieder genau wie bisher. Welche Gefühle in ihnen tobten, kann sich sicher jeder vorstellen, und ihre innere Aufregung und Anspannung sorgten dafür, dass beide eigentlich unentwegt die körperliche Nähe des anderen suchten. Gemeinsam richteten sie das Abendessen, den Tisch und die Getränke her. Julian reichte ihr diverse Kerzen, die sie im Schoß transportierte und hinter ihm anreichte, damit er diese in Bad und Schlafzimmer verteilen konnte.
Als es dann, wie üblich, dunkel wurde, aßen sie gemütlich zusammen, um dann recht zügig in die mollig warme Badewanne umzuziehen.

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