„Warum wollt ihr denn schon wieder gehen? Alice, wann kommst du wieder nach Hause?“
„Papa, ich will euch nicht weiter zur Last fallen. Ich wünsche euch guten Appetit, aber Julian will mich mitnehmen. Da muss ich nicht alleine zuhause sitzen bleiben!“
Auch Alice und Julian gingen an diesem Abend zusammen essen. Bei einem Chinesen in Koblenz, der zwar im ersten Stock war, aber extra für solche Fälle aber einen Aufzug anbot und Alice hier voll autark war. Am riesigen Buffet fuhr sie nur entlang und Julian füllte ihren Teller nach ihren Wünschen, einfach mit seinem zusammen. Er brachte beide Teller an den gemeinsamen Tisch und sie fütterten sich sogar zum Probieren gegenseitig. Bei jedem Nachschlag gingen sie gemeinsam und alles lief nach gleichem System ab. Behinderung? Scheiß drauf …Beim gemütlichen Ausklang packte er es aber nicht mehr und fragte nun doch: „Bist du adoptiert, oder von einem anderen Vater? Warum seht ihr euch nicht ähnlich?“
Das versaute ihr zwar etwas die Laune, aber sie sagte dann: „Mama hat mir mal gestanden, dass ich ein Swingerclub-Unfall bin. Darum hat mein Vater es wohl auch immer etwas schwer mit mir!“
Das war ja schon nicht schlecht und Julian schluckte. Dann gab er dem Ganzen den Rest, als er fragte: „Sitzt du von Geburt an im Rollstuhl?“
„Nein. Das war ein Unfall. Meine Schwester hat mich bei einem Streit die Treppe hinuntergestoßen. Da war ich zwölf!“
Gut. Das reichte. Julian hatte sich entschieden. Die ging nicht mehr in dieses Haus zurück.
Am ersten Februarwochenende, den Geburtstag ihres Bruders zum Anlass nehmend, schien die Familie bemerkt zu haben, dass ein Zimmer leer geblieben war. Alice hatte es längst verarbeitet und interessierte sich einfach nicht mehr dafür. Sie war glücklich und hatte ihr neues Leben im Blick. So rief Heike, die Mama, bei Alice an und fragte nach:
Der Panikraum
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Der Panikraum
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