Der Panikraum

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Der Panikraum

Der Panikraum

Ralf Böhmer

Julian hatte Angst und wusste nicht so recht wie, darum hatte er seiner Familie auch immer von seiner Liebe erzählt und von Gefühlen nicht viel reden müssen. Das und wie sehr er glücklich war, war ihm an seiner Stimme und dem aufgeregten Sprechen einfach auch nie zu überhören. Vergessen hatte er aber zu erwähnen, dass sie eben im Rollstuhl säße. Als er dann aber auch noch erzählen musste, dass seine große Liebe schwanger war, da hatte er zu spuren. Papa war sauer und Mama würde kommen und ihm den bornierten Schädel geraderücken, wenn die beiden jetzt nicht augenblicklich hochkämen.
Nicht gut. Beide hatten ziemliche Bauchschmerzen bei den Gedanken, was sie erwarten würde. Empfangen wurden die zwei dann in einer Herzlichkeit und Liebe, dass Alice wirklich weinen musste. Ihr Schwiegerpapa kümmerte sich mindestens genauso fürsorglich um sie, wie ihr Einbrecher. Ihre Schwiegermutter knuddelte sie und schmuste sie und war ganz aus dem Häuschen. Endlich hätte sie eine Tochter. Die zwei waren auch nicht mehr zu trennen. Die hatten eine derartige Ader zueinander. Der nordische Dialekt, diese unglaubliche Art.
Alice wollte überhaupt nicht mehr weg hier. Julians Familie bewohnte ein altes Stadthaus, direkt am Hafen. Unter Denkmalschutz stehend, war es natürlich alles andere als behindertengerecht, aber Vater und Sohn brachten sie immer gemeinsam die Treppe hoch und runter. Das klappte schon, und knuddelig gemütlich war es eh hier. Julian war ein Einzelkind. Diese kleine Familie war traumhaft herzlich zu Alice. Selbst die Info, dass sie behindert wäre, kam hier als eine nebensächliche Info an. Marie, die Mama, sah ihren Mann Hans achselzuckend an und sagte:
„Na und? Schöne Beine hat sie trotzdem und der Rest ist ein Traum. Wir bekommen das schon geregelt!“
Mehr war nie wieder darüber geredet worden.

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