Der Panikraum

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Der Panikraum

Der Panikraum

Ralf Böhmer

Julian war davon überzeugt, dass es eine lange Zeit dauern würde und er so schnell nicht hier wegkäme. Somit hatte er alle Zeit der Welt und legte auch entspannt die Füße hoch, als er es sich ohne Schuhe, auf dieser Couch gemütlich machte.
„Wer hat euch eigentlich dieses bekloppte System hier verkauft? Einen Sicherungskasten, für deine Versorgung im Außenbereich und alles über den einen Stromanschluss. Das war ja ein echter Experte!“
„Ich habe die Polizei angerufen. Die werden gleich hier sein!“
„Ja gut. Warten wir einfach. Ich habe zwar die Verbindungen nach draußen gekappt und dein Handy geht bei den Wänden da drinnen nicht, aber natürlich glaube ich dir!“

Eine ganze Zeit blieb es ruhig und keiner sagte etwas.
„Sag mal Alice, hast du wenigstens einen Fernseher oder was zu lesen? Irgendwas?“
Jetzt weinend und deutlich verzweifelter kam mit Verzögerung: „Nein, ich habe nichts hier und das hier ist die Hölle. Bitte, geh doch einfach!“
Sie tat ihm fürchterlich leid, aber was hätte er tun sollen? Sie saßen doch beide im gleichen Boot. Sichtlich deprimiert stand er auf und ging nach oben, zu den Schlafzimmern. Er sah sich in den Räumen um und versuchte herauszufinden, welches Zimmer wohl Alice gehörte. In einem sehr schönen und hell eingerichteten Zimmer blieb er stehen und sah sich um. Nicht sehr persönlich fand er und setzte sich dort auf das Bett. Traurig eigentlich. Viele Bücher, ein Notebook, süß, aber nüchtern hier.
„Das ist dein Zimmer?“
„Ja!“
„Warum ist das hier alles so unpersönlich? Kaum Bilder. Ich kann nicht sehen, was du liebst und gerne machst!“
„Ich lese.“
Julian sah in die Schubladen ihres Nachttischchens und fand selbst dort nur unbedeutenden Kram.
„Wie alt bist du?“
„22“
„Fühlst du nichts? Oder warum hast du nicht mal das übliche Spielzeug einer jungen Frau?“

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