Der Panikraum

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Der Panikraum

Der Panikraum

Ralf Böhmer

Komisch fand er, dass alle anderen der Familie wohl blond oder hell waren. Er entnahm dem System die Speicherkarten, die er einsteckte, und schob sie wieder nach draußen.
„Du hast sicher Hunger, oder Durst, oder?“
„Ja, beides, offen gesagt!“
Ein merkwürdiges Treppenliftsystem beförderte sie hinunter ins Erdgeschoss, und Julian übernahm unten wieder das Schieben. Er schob sie vorbei, am Wohnzimmer, wo Alice auf den Revolver sah, durch das Esszimmer bis in die Küche. Hier fiel Julian dann das nächste Merkwürdige auf. So fragte er dann: „Bist du das schwarze Schaf in eurer Familie?“
„Warum fragst du das?“
„Was, an all dem hier im Haus ist denn behindertengerecht? Nicht mal die Küche ist gut erreichbar gestaltet. Wie kochst du denn hier?“
So kochte nun Julian für die beiden und deckte auch den Tisch ein. Er sah zu, wie Alice nachdenklich an den Wohnzimmertisch fuhr und dort die Waffe in die Hand nahm.
„Pass bitte auf. Die ist geladen. Verletz dich nicht!“
Das war alles, was er sagte, und sie brachte sie im Schoß liegend mit zu ihm.
„Wie lange habe ich noch zu leben?“
Sie sah ihn nur fragend an, als er den Revolver von ihr annahm.
„Keine Ahnung, jetzt essen wir erst mal und dann können wir ja mal Gott fragen!“
Sie aßen und Alice saß auf einem Stuhl mit Lehnen am Tisch, weil Julian es zum Kotzen fand, dass sie so tief sitzen musste. Das Ganze, nach dem Aufenthalt im Panikraum machte Alice gerade wesentlich mehr Gedanken als diese Erlebnisse dort drinnen. War sie eventuell doch das schwarze Schaf in der Familie? Sie machte ihre Eltern und die beiden Geschwister ganz sicher nicht stolz. Was taugte sie schon? So sah sie ihn nach dem Essen nachdenklich an und sagte: „Es ist nicht schlimm, wenn du mich töten musst. Ich möchte nur bitte nicht leiden!“
„Warum sagst du das?“

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