Der Prinz mit den goldenen Klöten

Rotkerbchens Abenteuer - Teil 18

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Der Prinz mit den goldenen Klöten

Der Prinz mit den goldenen Klöten

Peter Hu

Es war nicht weit bis zur Hütte der schönen Bäckerin. Jener Bäckerin, bei der er sich vor dem „Brötchen-holen“, gewöhnlich hin und wieder ein bisschen entspannte.

Dreimal klopfte er, wie im Geheimen verabredet, an die Hintertür.

„Ah, der Prinz! ...Das ist ja schön, dass Ihr mich mal wieder besucht“, ...rief die schöne Bäckerin entzückt aus, als sie den nackten Prinzen durch den Türspion erkannte.

„Tretet doch ein. Mein Gatte ist schon in der Backstube“, ...zwitscherte die pralle Blondine, als sie verschlafen den Riegel aufschob.

Doch als sie den unbekleideten Blaublüter im gelben Fackelschein betrachtete, wollte ihr schier vor Schreck das Herz aussetzen. Er war genau so knackig und prall, wie sie ihn kannte und schätzte. Die schöne Bäckerin wollte auch sogleich vor Vorfreude über die Ufer treten, wie es sich zu solchen Gelegenheiten gehörte, als ihr Wonnebrunnen plötzlich schier zu Eis gefror.

„Mein Prinz! ...Was ist denn mit Euren Glocken geschehen? ...Und auch Euer Schlegel glänzt ja, als wäre er aus purem Gold. Und er sieht nicht nur so aus, er fühlt sich auch so an, ...und ist ziemlich kalt dazu,“ ...meinte sie nach einem prüfenden Griff.

„Verzeiht, edler Herr, ...ich bin nur Hausmannskost gewohnt. Für solche Perversitäten bin ich nicht zu haben. Ich bin eine anständige Ehebrecherin. Ich finde es geschmacklos, dass ihr derart mit eurem Reichtum prahlt. Macht das sofort ab, ...und wir spielen die geilsten Spielchen miteinander. Aber so etwas ist ja völlig abartig!“

Der Prinz griff sich entsetzt an den Sack und betastete das kalte Metall. Mit einem solch mächtigen Fluch hatte er nimmer gerechnet. Seine Klöten bestanden aus purem Gold. Und auch der schimmernde Hahn darüber, hatte mindestens fünfzehn Unzen. Aber er blieb taub und kalt wie Eis, so sehr er ihn auch rieb.

„Das darf doch nicht wahr sein“, ...jammerte der arme Prinz entsetzt.

Und das tat er mit einer solch fürchterlichen Stimme, dass der Bäckerin das Blut in den Adern gefror.

„Reitet heim und lasst Euch bloß nicht mehr hier blicken!“ ...befahl die Schöne streng.

Denn sie hielt das Ganze nach wie vor für den bösen Scherz eines verzogenen, übersättigten, schlicht degenerierten Königssohns...

Der Prinz aber, wagte sich gar nicht mehr Heim. Papa würde ihn schrecklich ausschimpfen. Denn bestimmt würde es jetzt Krieg mit Bananien geben, weil er die Ehe nicht vertragsgemäß vollzogen hatte. Auch fürchtete er die dicke, böse Zauberin, die ihn derart kastriert hatte. So ritt er lieber tief in den Wald hinein, ...und suchte Rat bei einer guten Fee.

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