Sie trug nun weiße, bestickte Jeans, die bis knapp über die Knie reichten und eine mit Strass aufgepeppte Bluse mit tiefem Ausschnitt und, wie sie ihm stolz zeigte, zapatos de domingo, Sonntagsschuhe, hochhackige, weiße Halbschuhe mit goldfarbenen Schleifen. Ihr Bruder sah nicht viel anders aus als vorher, nur dass seine Hose und sein T-Shirt jetzt sauber waren.
Mittlerweile war es dunkel geworden und die Frau sagte, dass es erst jetzt möglich sei, in seinem Auto mitzufahren. Tagsüber gehe das nicht, denn wenn eine junge Frau im Auto eines Ausländers von der Polizei erwischt werde, bekäme sie große Schwierigkeiten, sie könne sogar ins Gefängnis kommen, wegen des Verdachts der Prostitution, den könne man mit Worten nicht widerlegen, nur mit Bestechung, mit viel Bestechung und das sei für den Ausländer teuer, wenn er seine Freundin schützen wolle. Nachts, wenn man die Insassen nicht mehr genau erkennen könne, sei das Risiko geringer. Sie fuhren wieder in die Stadt und suchten einen paladar auf, den die beiden vom Hörensagen kannten, ein privates Restaurant, besser gesagt, ein Wohnzimmer, das als Restaurant genutzt wurde. Es gab eine Gemüsesuppe, dann gegrillten Fisch und Hühnchen in Tomatensoße, dazu gebratene Bananen, Reis und schwarze Bohnen, zum Abschluss Früchte und als Getränk das unvermeidliche Bier, Bucanero in den roten Aludosen. Er konnte seinen Gästen ansehen, dass sie glücklich und zufrieden waren und er bemerkte, wie ungewohnt es für sie war, mehrere Gänge serviert zu bekommen, dass nicht schon nach der Suppe Schluss war, dass es Fisch und Fleisch auf einmal gab und dann auch noch Nachtisch. Einen bleibenden Eindruck, eine Erfahrung für das Leben, machte der Bruder an diesem Abend auch noch, als er von der unbekannten roten Soße, die wie Ketchup aussah, einen kräftigen Löffel auf seinen Reis gab.
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