Die neunundzwanzigjährige Gina klammerte sich an den Hals ihres Plüsch-Brontosaurus, während sie sich Jonas hingab. Sie war splitternackt, was sie auch gewesen wäre, wenn sie allein in ihrem Bett gelegen hätte. Die Sommerhitze ließ noch nicht einmal einen Pyjama oder ein Nachthemd zu, obwohl Gina wusste, dass leichter Baumwollstoff oder gar Seide dem Körper selbst dann guttat, wenn er unentwegt schwitzte. Der Sommer war gnadenlos. Fünfundvierzig Grad brannten draußen noch immer hernieder, und die Zeitungen verzichteten mittlerweile darauf, die Leserinnen und Leser mit purzelnden Hitzerekorden zu langweilen. Das Ende der Menschheit war näher, als diese es wahrhaben wollte, und niemand, kein Land, keine Stadt, kein Dorf, war ernsthaft darauf vorbereitet, was in Kürze folgen würde. Der Kampf ums Wasser war bereits mit einer Heftigkeit entbrannt, die ihresgleichen suchte, und des Nachts kratzten Wildtiere an der Wand der alten Villa entlang, auf der Suche nach etwas Nässe, etwa bei den Rosenstöcken. Die Suche war erfolglos, und am frühen Morgen waren die Straßengräben immer öfter mit Tierkadavern gesäumt – Kadaver mit weit aufgerissenen Augen, als hätten sie während der letzten röchelnden Atemzüge Gott noch einmal angefleht, es doch nur ein paar Minuten lang regnen zu lassen. Und bald würden es Menschen sein, deren Durstleichen die Meeresstrände, die Wanderwege und die letzten verbliebenen Waldränder säumten, ausgedörrt, mit zundertrockenen Zungen und eingefallenen Augen, weil der Turgor, der Augäpfel rund, feucht und verführerisch aussehen lässt, nicht mehr ausreichte.
Gina und Jonas aber, das sich liebende Paar, waren gut hydriert. Gerade eben noch hatten sie sich eine gemeinsame Dusche gegönnt, und Jonas hatte Gina sanft und liebevoll eingeseift.
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