Der schüchterne Nachbar

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Der schüchterne Nachbar

Der schüchterne Nachbar

Sven Solge

Haymo, der Juniorchef der Firma, war ihr schon vom ersten Tag an unangenehm aufgefallen. Schon beim Einstellungsgespräch, das er allein in seinem Büro führte, war er ihr auf die Pelle gerückt. Statt, dass er hinter seinem Schreibtisch sitzen geblieben wäre, bat er sie auf dem Sofa Platz zu nehmen. Dabei setzte er sich so dich neben sie, dass sie seine Körperwärme spüren konnte.
Gemeinsam gingen sie ihre Bewerbungsunterlagen durch, dabei strich er wie unbeabsichtigt über ihren Arm oder tätschelte wohlwollend ihren Rücken, als sie über ihr Zeugnis der letzten Anstellung sprachen.
Ihr letzter Arbeitgeber hatte geschrieben: „Frau Winter ist strebsam und führt ihre Arbeiten trotz ihrer großen Zurückhaltung, gewissenhaft aus!“
„Warum sind sie so zurückhaltend, das haben sie doch gar nicht nötig? Sie sind doch eine sehr attraktive Frau und können selbstbewusst durchs Leben gehen!“ Dabei schaute er sie von unten herauf an und kam ihr noch näher.
Romy wich unwillkürlich etwas zurück und stellte etwas mehr Abstand zwischen ihnen her, indem sie von ihm wegrutschte.
Sie war froh, als das Gespräch beendet war und sie nach einer dreimonatigen Probezeit mit einer Festanstellung rechnen konnte.
In den ersten drei Wochen sah sie ihren Juniorchef nur von weitem. Doch dann nahte das alljährliche Sommerfest und es gab jede Menge Vorbereitungen zu treffen. Natürlich musste Romy als Neuzugang, mithelfen den Speisesaal und die vorgelagerte Terrasse zu schmücken und hier wich Haymo ihr nicht von der Seite.
Er war ausgesprochen freundlich und hilfsbereit. Machte keine anzüglichen Bemerkungen oder versuchte sie zu berühren.
Romy war das nur recht, fühlte sie sich in seiner Nähe etwas unsicher. Je länger sie so nebeneinanderher arbeiteten, umso entspannter wurde die Atmosphäre.
Als sie zusammen die weißen Tischdecken über die Stehtische legten, die auf der Terrasse standen und sie mit einem großen Gummiring befestigten wollten, ging das nur mit gegenseitiger Hilfe.
Denn der Gummiring musste so auseinandergezogen werden, dass er über die runde Tischplatte passte und unterhalb des Tisches die Tischdecke zusammen zog und so am Wegfliegen hinderte. Eigentlich eine simple Sache und nach dem achten Tisch von zehn, alberten sie etwas herum und da passierte es.
Haymo ließ plötzlich los und das Gummiband klatschte Romy quer über die Augen. Eigentlich war es wohl nur der Schreck, der Romy aufschreien ließ, doch der Schmerz ließ ihre Augen tränen, sodass sie kaum noch was sehen konnte. Doch für Haymo war es Grund genug sie zum Waschraum des Küchenpersonals zu führen, um ihre Augen zu kühlen.
Er hatte einen Arm um ihre Hüften geschlungen und dirigierte sie vor das Waschbecken. Dort machte er ein sauberes Küchentuch nass, rollte es etwas auf und legte es Romy über die Augen, indem er sich hinter sie stellte.„Halt es mit deinen Händen fest, du weißt am besten, wo es dir guttut!“ Während er das sagte, drückte er sie mit seinem Unterleib gegen das Waschbecken und flüsterte ihr ins Ohr: „Es tut mir so leid, das war das Letzte, was ich dir antun wollte!“ Dabei hauchte er ihr sanfte Küsse auf ihre Halsbeuge.
Romy war noch zu beschäftigt, um sofort zu bemerken was Haymo machte. Doch als er jetzt beide Hände auf ihre Titten legte und sie knetete, wurde ihr bewusst was hier abging.
Sie ließ das nasse Küchentuch ins Waschbecken fallen und wollte sich empört umdrehen, doch das war nicht möglich, weil Haymo sie fest umklammerte.
Im Spiegel sah sie sein verzerrtes Gesicht. Er hatte seinen Mund leicht geöffnet und keuchte an ihrem Hals. Seine Augen waren zu schmalen Schlitzen geschlossen, aber gleichzeitig rieb er seinen Unterleib rhythmisch an ihrem Po.
„Was machen sie da?“ Versuchte Romy seine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, doch  Haymo reagierte anders.
Während er mit der linken Hand weiter ihre Brust knetete, presste er seine rechte Hand plötzlich in ihren Schritt. „Du willst es doch auch, deine Brustwarze ist schon ganz hart!“
Deutlich konnte Romy seine Erektion an ihrem Hintern spüren und langsam kam Panik bei ihr auf.
Mit den Fingern schob er ihr den Rock hoch und Romy bedauerte, dass sie heute Morgen nicht ihre Jeans angezogen hatte. Jetzt lag nur noch der dünne Stoff ihres Slips zwischen ihrer Vulva und seinen gierigen Fingern. Erneut versuchte sie sich gegen seinen Griff zu wehren, doch Haymo hob sie einfach hoch und trug sie zu einer der WC-Kabinen. Mit dem Fuß stieß er die Tür auf und wollte sie gerade in die enge Kabine schieben, als Romys Widerstand erwachte. Mit beiden Armen stieß sie sich vom Türrahmen ab und ließ sich gleichzeitig nach unten fallen.
Diese Reaktion kam für den Junior so überraschend, dass er sie mit einem Wutschrei los ließ. Er hatte etwas breitbeinig hinter Romy gestanden, sodass sie sich rückwärts zwischen seinen Beinen hindurch abrollen konnte und hinter ihm zu liegen kam. Sie hob beide Beine an und trat so kräftig sie konnte, in Haymos Hinterteil. Wie von einem Katapult abgeschossen, landete der auf der Kloschüssel und krachte mit dem Kopf noch gegen den Spülkasten, der sofort seine Arbeit aufnahm und die Spülung einsetzte.
Flink rappelte sich Romy auf und rannte über die Terrasse und das Firmengelände zum Bürogebäude. In Windeseile holte sie ihre persönlichen Sachen aus ihrem Schreibtisch und machte sich auf den Heimweg.
Britta, die noch hinter ihr hergerufen hatte, bekam sie in ihrer Hektik nicht mehr mit, zu sehr steckte das eben Erlebte noch in ihren Knochen.
Im Treppenhaus ihres Wohnhauses kam ihr noch Paolo entgegen, der sie mitleidig ansah: „Was ist passiert?“, fragte er und wollte sie stoppen, indem er ihr eine Hand auf den Arm legte, doch Romy eilte an ihm vorbei. Erst als sie ihre Wohnungstür hinter sich geschlossen hatte, sackte sie an der Tür zusammen und heulte sich die Seele aus dem Leib.
Für Paolo war Romys Verhalten eigenartig, sie, die sonst immer Zeit für einen kurzen Small Talk hatte, ließ ihn einfach stehen.
Paolo verehrte Romy schon seit sie hier eingezogen war und er hatte auf seine schüchterne Art schon viele Versuche unternommen, ihre Aufmerksamkeit zu erregen, doch er war in solchen Dingen einfach zu tollpatschig.

-*-

Mehrfach summte Romys Handy, doch sie reagierte nicht darauf.
In der Nacht wurde sie von heftigen Alpträumen geplagt. Immer wieder hörte sie die Stimme von Haymo: „Du willst es doch auch!“ Dabei presste er sich so fest an sie, dass ihr die Luft wegblieb und sie nach Atem ringend aufwachte.
Erst gegen Morgen schlief sie ein.
Das laute Klopfen an ihrer Wohnungstür, hielt sie zuerst für einen Traum, doch dann erkannte sie Brittas Stimme und sie erhob sich etwas benommen aus ihrem Bett.
Vorsichtig öffnete sie die Tür einen Spalt und sah Britta und Paolo vor der Tür stehen.
„Was ist los mit dir?“, fragte Britta und schob die Tür einfach weiter auf. „Warum gehst du nicht an dein Telefon?“
Während Paolo etwas verlegen draußen stand, schlug ihm Britta einfach die Tür vor der Nase zu.
„Kannst du mir bitte mal erzählen, was du mit Haymo gemacht hast? Der läuft ja seit gestern wie Falschgeld rum, mit einer dicken Platzwunde auf der Stirn!“ Britta schien richtig zornig zu sein.
Romy schaute ihre Freundin nachdenklich an, sollte sie ihr das erzählen, was der Juniorchef bei ihr versucht hatte? Um etwas Zeit zum Überlegen zu haben, ging sie wortlos in die Küche und startete ihren Kaffeeautomaten.
„Willst du auch einen Kaffee?“
„Ja!“, kam es nur ungeduldig von Britta zurück.
Romy starrte auf den Kaffeeautomaten, der ratternd seine Arbeit aufgenommen hatte und schwieg.
„Nun sag schon was ist gestern passiert zwischen dir und Haymo?“
„Er hat versucht mich zu vergewaltigen und wenn ich mich nicht energisch zur Wehr gesetzt hätte, wäre ihm das wohl auch geglückt!“ In Romy stieg immer noch der Zorn hoch, wenn sie an den Moment dachte.
„Ach, hat Haymo dir an die Titten gefasst? Das macht er doch bei jeder! Auch bei mir hat er das versucht, aber ich bin in seinen Augen doch nur ein Bumshäschen und dazu bin ich mir dann doch zu schade. Aber in dich hat er sich verliebt, das sieht doch ein Blinder! Er verhält sich wie ein verliebter Primaner und sucht jede Gelegenheit in deine Nähe zu kommen.“
Romy schüttelte über das Unverständnis ihrer Freundin den Kopf.
„Was willst du eigentlich?“, schimpfte diese. „Du bist 37 Jahre alt und immer noch nicht unter der Haube. Da macht dir der Junior ein eindeutiges Angebot und du reagierst verschnupft. Eine bessere Partie kannst du doch gar nicht machen. Haymo sieht gut aus, ist der einzige Erbe dieser Firma und er hat ein Fable für dich! Was hat er denn so Schlimmes getan, dass du gleich die Flucht ergreifen musstest?“
„Hörst du mir überhaupt zu? Dein so toller Haymo hat versucht mich zu vergewaltigen und das im Personal WC der Kantine. Nicht nur, dass er mir die Titten geknetet hat, er hat mir auch den Rock hochgehoben und mich mit seinen Fingern begrabscht. Dann hat er mich hochgehoben und wollte mich in der WC-Kabine ficken. Seinen steifen Schwanz habe ich schon am Po gespürt. Irgendwie ist es mir gelungen mich aus seinem Griff zu befreien und in seinen Rücken zu kommen, um dem Schwein kräftig in den Arsch zu treten!
Der Streit mit Britta, machte Romy mehr zu schaffen als sie sich anfangs eingestehen wollte. Von ihrer langjährigen Freundin hatte sie mehr Mitgefühl erwartet.
Sie stellte ihr den Kaffeebecher hin: „Vielleicht solltest du besser gehen und dich um den armen, leidgeprüften Haymo kümmern. Ich werde jedenfalls morgen meine Probezeit fristlos beenden und mir überlegen, ob ich Anzeige erstatte.“
Romy drehte sich um und verließ die Küche und schloss sich im Bad ein.
Nach ungefähr einer halben Stunde hörte sie, wie die Wohnungstür geschlossen wurde, erst dann wagte sie sich wieder hervor.
Der Kaffeebecher stand noch unberührt auf dem Tisch. Daneben lag ein Zettel: „Es tut mir leid!“
Ihre Kündigung schickte sie noch am gleichen Tag per E-Mail ab, als Begründung gab sie an: „Persönliche Differenzen mit der Geschäftsleitung!“

-*-

Am drauffolgenden Tag klingelte mehrfach ihr Handy, oft war es Britta, aber auch eine unbekannte Nummer. Das konnte nur Haymo sein, der wohl Angst vor einer Anzeige bekam und um Schadensbegrenzung bitten wollte. Darauf schaltete sie ihr Handy aus.
Als es am Abend an ihrer Tür klopfte und sie am Rhythmus erkannte, dass es Paolo war, öffnete sie vorsichtig die Tür immer darauf bedacht, sie sofort wieder zu schließen. Doch er stand alleine vor der Tür und hielt ihr einen großen Strauß roter Rosen entgegen: „Ich möchte mich entschuldigen!“
„Komm rein!“ Romy trat beiseite und ließ ihn eintreten.
„Wofür willst du dich entschuldigen, du hast doch nichts gemacht?“
„Weil ich gestern deiner Freundin die Tür geöffnet habe. Ich wusste nicht, dass ihr Streit hattet.“ Er stand unschlüssig vor ihr und drehte die Rosen in seiner Hand hin und her.
„Sind die für mich?“, fragte Romy ihn deshalb, um ihm ein wenig entgegenzukommen.
„Ja!“ erleichtert gab er ihr den Strauß, wohl froh ihn endlich loszuwerden.
„Danke!“, sagte Romy, beugte sich vor und gab ihm einen Kuss auf die Wange. „Möchtest du einen Kaffee oder lieber einen Schnaps, damit sich deine Aufregung etwas legt?“
„Einen Schnaps!“, kam es wie aus der Pistole geschossen.
Komm, setzt dich ins Wohnzimmer, ich stelle nur schnell die Blumen in die Vase. Sie holte eine Vase aus dem Schrank und gleichzeitig die Flasche Cognac, die sie für solche Fälle immer parat hatte.
Paolo und sie kannten sich schon seit ihrem ersten Tag hier im Haus. Er war ein hilfsbereiter Nachbar, der immer für sie da war. Natürlich spürte Romy, dass Paolo sie verehrte und nur zu schüchtern war, um ihr das zu sagen.
Sie schenkte ihm ein Glas Cognac ein und ging dann in die Küche, um die Rosen zu versorgen.
Als sie zurückkam, hatte Paolo schon getrunken. Nachdem sie die Blumen auf den Tisch gestellt hatte, schenkte sie sich auch ein Glas ein und füllte Paolos noch mal auf.
Sie prostete ihm zu und meinte dann, nachdem sie getrunken hatten: „Du weist aber schon, was rote Rosen bedeuten, oder?“

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