Der Titten-Workshop

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Der Titten-Workshop

Der Titten-Workshop

Anita Isiris

Auch andere kamen auf die Idee, sich im Schilf zu vergnügen, etwas abseits des gemieteten Landhauses. Ich glaube, es waren schliesslich vier Männer, die mich genommen haben, vier Männer, die in mir und auf mir abgespritzt haben. Ich muss fast bewusstlos gewesen sein vor Lust, wie man mir später erzählt hat.
Dann kam der Body-Painting-Wettbewerb. Das Pinselchen am Nippel. Nicht nur ich, sondern auch meine Geschlechtsgenossinnen sind halb wahnsinnig geworden vor Lust. Das Pinselchen als Intermediator, sozusagen. Also nicht eine feuchte, klebrige Männerhand, die sich an den Kronjuwelen zu schaffen macht. Sondern die feuchte Spitze eines Pinselchens. Meine Nippel waren seither nie wieder so steif. Nie wieder. Wir Frauen hatten alle bloss unsere Slips an, was dazu geführt hat, dass auch andere Körperpartien als nur die Titten bemalt worden sind … etwa unsere Oberschenkel. Sei’s drum. Wir haben alle Hemmungen abgelegt. Wir wurden, je nach Farbwahl, zur «güldenen Gans». Zur «Waldfrau». Zur «heissen Helga». Auch unsere Fusssohlen haben wir bekitzeln lassen. Fusssohlen sind eine unbeschreiblich geile erogene Zone – wenn du gekitzelt wirst, ohne dich wehren zu können. Alle diese sich windenden Frauen, im eisernen Griff geiler Männer, die mit dem Pinselchen zugange waren.
Klar ist auch der Alkohol in Strömen geflossen. Das darf auch mal sein. Ob sich alle Frauen bis zuletzt unter Kontrolle hatten, weiss ich nicht. Ob es unter uns Schwangere hatte, weiss ich auch nicht mehr. Aber wir haben uns alle geöffnet an diesem Titten-Workshop. Haben uns amüsiert, haben uns entspannt, haben uns hingegeben. Wenn ich im Metoo-Zeitalter schreibe, es liege eigentlich in der Natur einer Frau, sich hinzugeben, werde ich getötet. Sofort. Aber … warum eigentlich nicht? Warum nicht verführen? Warum nicht mal mit dem Hintern wackeln? Warum nicht diesen verdammten BH einfach wegfetzen?
Wir wurden, alle fünfzig von uns, begafft, befummelt, begrapscht, hier eine Hand auf dem Bauch, da eine zwischen den Beinen, dort eine an den Oberschenkeln. Was uns aber glücklich gemacht und zu unserer inneren Mitte geführt hat, war das Bewusstsein, dass es unsere Titten sind, die Sebastian, Ottokar, Heiner und Klausi die Beherrschung verlieren lassen. Egal, ob Buchhalter, Busfahrer, Mathe-Lehrer oder Wirt: Es gibt ihn, diesen gemeinsamen Nenner, der alle vergessen lässt, wo sie herkommen und wer sie sind.
Was Männer im Leben wollen, sind … Titten. Von allem Anfang an. Titten. Ja, Titten. Sie sind der eigentliche Sinn des Lebens. Ernährend, begeilend, inspirierend. Auf die Welt kommen. Titten sehen. Sterben. Dann hat es sich bereits gelohnt. Obwohl es sich ja eigentlich bloss um dödelige Anhangsdrüsen handelt.
Seien wir doch etwas milde, etwas offen, zeigen wir sie her, unsere Kronjuwelen. Viele jüngere Frauen auf Insta machen es ja vor. Für ihren Mut gebührt ihnen Ehre.

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