Der Venuslippen-Workshop

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Der Venuslippen-Workshop

Der Venuslippen-Workshop

Anita Isiris

«Männer, auf uns warten rosige Zeiten.» Sebastian, der Fahrradhändler, strahlte. «Macht euch mal auf Instagram schlau und trimmt euren Algorithmus, so, wie ich es getan habe. Immer öfter posten selbstbewusste, junge Frauen Statements zu ihrem sexuellen Verständnis und zu ihrem Schamverhalten. Da gibt es etwa die Silke D. aus H. Sie stört sich daran, dass Frauen ihre Brüste bis heute bedecken müssen, während wir Männer bedenkenlos oben ohne rumlaufen können. An Männer-Nippeln stört sich keiner», sagt die Feministin, «Frauen aber dürfen ihre Brustwarzen keinesfalls herzeigen, obwohl sie doch so was von natürlich sind.»

«Ich gehe mit dieser Silke einig», grinste Ottokar, der Verkehrspolizist. «Sollen sie ruhig ihre Titten herzeigen, da ist doch weiter nichts dabei.» Die ebenfalls anwesenden beiden Frauen, Ute und Joana, schluckten leer. Die Situation hatte tatsächlich einen doppelten Boden. Einerseits sollten Frauen sich befreien, da standen Ute und Joana voll dahinter. Andererseits war die Gesellschaft wohl noch nicht reif dafür. Würden Frauen sich in der Öffentlichkeit entblößen und ihre Brüste herzeigen, würden Dutzende von Handykameras auf ihre Kronjuwelen gerichtet sein. Klausi von der Logistik, Herbert, arbeitslos, aber auch Abdul, der darauf bestand, dass seine eigene Frau sich in der Öffentlichkeit vollständig verhüllte: Alle würden sich an öffentlich zur Schau gestellten Brüsten in den Einkaufszentren aufregen und sich später zuhause einen runterholen.

Das war noch nicht einmal das Schlimmste. Männer holen sich so oder so einen runter, ob jetzt mit oder ohne Wichsvorlage. Das Problem war, dass es den Frauen darum ging, sich zu befreien, in einem gleichberechtigten Sinn: «Brüste raus aus dem Gefängnis, weg mit dem BH.

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