Der zerstörte Flügel

Sophie von Wolfenstein - Teil 9

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Der zerstörte Flügel

Der zerstörte Flügel

Marvin Swan

Und trotzdem lag sie darauf, als wäre es der natürlichste Ort der Welt.
Klara saß am Kopfende. Sie spielte. Dieselbe melancholische Melodie wie in jener Nacht. Doch diesmal waren sie nicht allein.
Thomas kniete zwischen ihren Beinen. Er leckte sie hingebungsvoll, während seine Hände ihre Stiefel streichelten. Ralf stand hinter dem Flügel, seine Hände grob auf ihren Brüsten. Der Trucker hatte ihren Kopf nach hinten gezogen und stieß tief in ihren Mund. Robert kniete neben ihr und flüsterte immer wieder:
„Du bist nicht gut genug. Du warst nie gut genug.“
Und am Rand des Raumes stand ihr Vater.
Er sah sie an.
Nicht wütend. Nicht enttäuscht. Sondern unendlich traurig. Genau so, wie er sie in den letzten Wochen vor seinem Tod angesehen hatte – als wüsste er bereits, dass er sie nicht mehr beschützen konnte.
„Sophie… was hast du aus dir gemacht?“, flüsterte er.
Sie wollte zu ihm rennen. Wollte sich in seine Arme werfen wie damals, als sie noch klein war. Doch sie konnte sich nicht bewegen. Die Männer hielten sie fest. Klara spielte weiter, lauter jetzt. Mit jedem Ton wurde der Druck auf Sophies Körper stärker.
Hinter ihrem Vater begann das große Aquarium zu reißen.
Ein leises Knacken. Dann ein lautes Splittern. Wasser lief heraus. Die bunten Fische schwammen panisch gegen das Glas, prallten dagegen, schlugen sich die Köpfe blutig. Einer nach dem anderen starb, während Sophie kam – heftig, unkontrolliert, mit einem Schrei, der mehr nach Schmerz als nach Lust klang.
Ihr Vater sah sie ein letztes Mal an. Dann löste er sich auf, als hätte er nie existiert.
Nur Klara blieb.
Sie hörte auf zu spielen, beugte sich über Sophie und strich ihr zärtlich über die Wange. Ihre Finger waren nass vom Wasser des Aquariums.
„Siehst du?“, flüsterte sie. „Jetzt gehören sie alle mir. Sogar deine Erinnerungen.“

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