Klara beugte sich noch tiefer, bis ihre Lippen fast Sophies Ohr berührten.
„Und bald“, hauchte sie, „wirst du auch mir gehören.“
Sophie wollte schreien. Wollte sich wehren. Doch ihr Körper gehorchte ihr nicht mehr. Sie lag nur da, nackt auf dem zerstörten Flügel, während Klara über sie lächelte.
Sophie fuhr schweißgebadet hoch.
Ihr Herz raste so heftig, dass es wehtat. Zwischen ihren Beinen war sie erneut nass, ihr Körper zitterte noch von dem erzwungenen Höhepunkt im Traum. Sie setzte sich abrupt auf, schlang die Arme um ihre Knie und wiegte sich leicht vor und zurück.
„Papa…“, flüsterte sie. „Es tut mir leid.“
Die Tränen kamen leise, aber unaufhaltsam. Sie weinte nicht nur wegen des Traums. Sie weinte um das kleine Mädchen, das damals weggeschickt worden war. Um die junge Frau, die versucht hatte, perfekt zu sein. Und um die Frau, die sie jetzt war – zerbrochen, abhängig, süchtig nach dem Gefühl, wenigstens für einen Moment nicht mehr allein zu sein.
Sie schaute zur Tür.
Sie wusste, dass Klara irgendwo im Haus wach war.
Und zum ersten Mal hatte sie echte Angst vor ihr.
***
Währenddessen, Riad.
Mohammed saß in seinem Büro und hörte seinem Berater zu, der gerade von der gesendeten Anfrage berichtete.
„Die Anfrage ist raus. Wir haben um ein erstes Gespräch gebeten. Bisher gibt es noch keine Antwort.“
Mohammed nickte langsam und strich mit dem Finger über den Rand seines Glases.
„Gut. Dann warten wir. Aber nicht zu lange.“
Er lehnte sich zurück und blickte aus dem Fenster.
„Wir haben die Anfrage so formuliert, dass sie harmlos und interessant klingt. Ein erstes Treffen wird sie kaum ablehnen können – vor allem, wenn sie intern bereits unter Druck stehen. Die Anzeichen dafür sind deutlich.“
Sein Berater nickte.
Mohammeds Stimme wurde ruhiger, fast beiläufig:
Der zerstörte Flügel
Sophie von Wolfenstein - Teil 9
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Der zerstörte Flügel
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