Deswegen fuhr sie fort, „Du bist neu hier? Zum ersten Mal in diesem Hotel? Ich habe dich jedenfalls hier noch nie gesehen. Ein Bordell ist das Hotel nicht, das würde anders funktionieren und es würde hier anders aussehen und auch ein anderes Publikum wäre hier und Gäste wie du, die tatsächlich hier nur schlafen wollen, würde man erst gar nicht aufnehmen. So wenig wie das ein Bordell ist, so wenig bin ich eine Prostituierte. Ich habe dir ja schon gesagt, das ist so etwas wie ein Love-Hotel, ein ganz neues Geschäftsmodell. Love-Hotels gibt es in großer Zahl in Japan. Dort treffen sich Pärchen, die sich kennen, weil in den Wohnungen zu wenig Platz ist, um sich ungestört zu lieben. Hier trifft man sich, weil man auf unkomplizierte und angenehme Weise fremd gehen kann. Das ist für viele Männer ein Bedürfnis und es hilft, dass ihre Ehe besser funktioniert, glaube mir es ist so, ich habe ein paar Semester Psychologie hinter mir. Der Spaß, mit einer anderen Frau als der eigenen zu schlafen, sollte unkompliziert und folgenlos sein. Ich meine jetzt nicht Schwangerschaft oder so etwas, sondern es sollten sich keine weiteren finanziellen Forderungen ergeben und auch keine Liebschaften, die alles verkomplizieren würden. Hier kommt man zusammen, es ist zeitlich begrenzt, eine Stunde oder eine Nacht, nur so lange, wie beide zusammen sein wollen. Hier kann man auch mit einer Partnerin herkommen, es ist aber kein Swingerclub, kein Partnertausch. Aber weil die meisten Männer, die fremd gehen wollen, keinen geeigneten Partner haben, bin ich hier und meine Kolleginnen. Wir sind Therapeuten, wenn du so willst, und arbeiten zum Wohl der Menschheit, auf freiwilliger Basis, aber nicht umsonst, weil auch wir leben müssen. Es ist wie bei einem Psychiater, der nichts anderes macht, als dir zuzuhören und dafür viel Geld kassiert.
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