Meine erste Landung war etwas holprig auf dem Dach gegenüber, doch es hat ja niemand gesehen, denn es ist noch dunkel für die Menschen. Nur ich kann alles bereits taghell wahrnehmen. Ein Fenster steht offen und ich schwinge mich mit Leichtigkeit hinauf. Vorsichtig teile ich die Gardine und gleite vorsichtig vom Fensterbrett. Überrascht erkenne ich, dass meine menschliche Gestalt zu mir zurückkehrt, als mein Fuß den Boden berührt.
So trete ich ganz vorsichtig ein und setze mich ganz still in eine Ecke und schaue mich um. Oh verdammt der Stuhl knarrt leise und jemand dreht sich im Bett um. Ich reibe mir die Augen und erkenne unser Schlafzimmer. Doch ich hab Glück und Du schläfst weiter. Leise und gleichmäßig höre ich Dich atmen. Dein Duft liegt in der Luft und ich sauge ihn tief in mich auf. Der Mond, der leider schon wieder am abnehmen ist, wirft aber genügend Licht ins Zimmer. Meine menschlichen Augen haben sich an die Dunkelheit gewöhnt und ich kann nicht nur die Umrisse Deines Körpers sehen. Ab und an bemerke ich ein leichtes Zucken Deiner Augäpfel unter den geschlossenen Liedern. Dein Gesicht ruht in Deiner Hand, nicht in der Pose des Nachdenkens oder abstützend, sondern schützend und irgendwie zärtlich Deine Wange streichelnd. Du streckst Dich und als sich Deine Lippen nur einen Spalt öffnen, werden sie von Deiner Zunge benetzt. Ich weis nicht wohin Dich Deine Träume tragen, doch ich sehe, dass es Dir gefällt und Dich innerlich bewegt. Von Neugier getrieben würde ich gern mehr erfahren und Dich in Deinen Träumen begleiten, doch Du hast Deine Decke bis zu den Ohren hochgezogen und Dich fest eingewickelt, so als gilt es sich zu schützen. Ich erkenne das Zeichen und stehe leise auf. So wie ich gekommen bin, verlasse ich Dein Zimmer ohne den Blick von Dir zu wenden. Wie gern hätte ich Deine Hand berührt, oder zärtlich Dein Gesicht gestreichelt, doch ich weis, jede noch so leise Berührung würde dich hochschrecken und das Schöne, was Dich umgibt vertreiben. Ich liebe Dich und so verlasse ich Dich auf leisen Sohlen und schwinge mich wieder in die Lüfte.
Noch dem Gedanken an ferne Welten folgend, die ich mit Dir erobern möchte, ruft mich der schrille Klingelton meines Weckers in die Realität zurück ......
Der Nachtfalke
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Der Nachtfalke
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