Der Schliemer

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Der Schliemer

Der Schliemer

Richard Hebstreit

Am anderen Tag bekam Adelheid Blutungen und Adelheids Mutter schleppte die Adelheid mit einem feuerroten Hintern und feuerroten Augen zu Doktor Kapeller. Kapeller meinte, Adelheid ist schon im fünftem Monat und sollte bitte nicht mehr Motorrad fahren. Kurtis Vater schlug Kurti nicht tot, sondern klatschte ihm zwei Ohrfeigen, eine rechts und eine links, so daß Kurti feuerote Bäckchen bekam und Kurtis Vater brüllte ein wenig hinter geschlossenen Fensterscheiben nutzlos herum. Dann ging Kurtis Vater zu Adelheids Vater und entschuldigte sich für seinen ältesten Sohn. Eine Stunde später wurde der Hochzeitstermin auf Tag und Stunde festgelegt. Tags darauf stand Kurti wieder neben mir neben der Weipert Drehmaschine. "Ich mud frei" sagte Kurti mit roten Ohren. Das heißt auf hochdeutsch "Ich muß heiraten". "Der Polterabend ist in 8 Wochen".
Zum Polterabend konnte die Adelheid kaum noch sitzen und war wohl die dickste Braut, die das Dorf je gesehen hatte. Es war ein schönes Bild, wie der dicke Pfarrer und die dicke Adelheid sich gegenüber standen und die Adelheid ohne rote Augen "ja" sagte. Kurti sagte mit roten Ohren auch "ja" und Kurtis Vater knirschte mit den Zähnen, weil ihm noch kurz vor der Trauungszeremonie ein schadenfroher Nachbar die Eisenbahnfuhren seines Sohnes verpetzte.
Inzwischen sind Jahre ins Land gegangen und viel Wasser ist die Werra hinunter geflossen. Neben der Werra verläuft ein ausgeleiertes Bahngleis. Und wie der Zufall so spielt, sitzt in der Diesellock eines der Züge, die noch täglich an der Werra entlang rumpeln, ein Lokomotivführer, dem die böse Strecke nicht viel ausmacht. Der Lokomotivführer heißt auch Kurt, so wie sein Vater.

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Gedichte auf den Leib geschrieben