"Hat deu schon mal von hinge geschliemt?" fragt mich Kurti an meiner Weipert Drehbank in meiner ersten Lehrwoche. "Nee" antworte ich und bekomme rote Ohren. Das ich noch nicht mal von vorne "geschliemt" habe, sage ich Kurti nicht. Gerade vor einem Jahr sah ich das erste mal wie von der Seite "geschliemt" wurde. "Ficken" haben wir damals kaum gesagt. Umgangssprachlich hieß das bei uns fünfzehnjährigen Jungs in Südwestthüringen "Pimpern". Mit dem "schliemen", das konnte ich mir aber gleich denken, was Kurti meinte. Schließlich hat er es dann noch nachdrücklich auf hochdeutsch "pimpern" genannt und teilweise erklärt. Er machte es mit seiner Freundin jeden Tag so gegen Abend, prahlte Kurti - von vorn und von hinten. Nach ein paar Tagen stellte sich heraus, Kurti hatte seine Adelheid entweder von vorn oder von hinten angeschliemt. Kurti wagte es nicht gleich, seiner Familie aufzutischen, daß er Vater wird. Sein Vater würde ihm totschlagen, dachte Kurti.
Kurti bemühte sich, alles wieder rückgängig zu machen. Na, eigentlich bemühte sich erst einmal Adelheid alleine. Adelheid kletterte, wenn ihre Eltern nicht zu Hause waren, auf einen Stuhl und dann kletterte Adelheid auf einen Tisch. Dann sprang sie - vom Tisch. Adelheid sprang sehr oft und sehr lange. Es half nichts, all das Gehüpfe. Lediglich im Keller fiel der Lehmputz flatschenweise von der Decke. Auch das viele Heulen nützte nichts. Adelheid bekam zu ihren roten Haaren nun noch rote Augen.
Nun versuchte es Kurti mit seiner BK. Die BK war ein schweres Motorrad mit Kardanwelle, weil die DDR keine Motorradkettenproduktion hatte, mit der er und Adelheid zu einem Bahngleis kurz nach dem Abendzug nach Meiningen fuhr. Dann ging es im zweiten Gang zwischen den Gleisen auf den Schwellen ein paar Kilometer hin und zurück bis die Adelheid nicht mehr sitzen konnte und Bauchschmerzen bekam.
Der Schliemer
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