Den ganzen Tag schon war er von Geschäft zu Geschäft gelaufen. Seine Füße brannten und sein Rücken schmerzte.Nur noch dieses eine... das hatte er sich geschworen. Vielleicht war es auch besser Laminat zu legen, pflegeleicht, abriebfest und für die Gemütlichkeit könnte er sich einen Läufer kaufen. Er überlegte, ja, das wäre die beste Lösung. Mit diesem Gedanken betrat er das exklusive Teppichgeschäft.
Er schaute sich staunend um. "Inna's Bazar" erinnerte ihn an das Luxushotel auf Bali, in dem er letztes Jahr residierte, ja anders konnte man das nicht nennen als Residieren. Ausgeklügelte Ästhetik, ein großer stimmungsvoller Raum im orientalischen Stil, nicht kitschig, sondern echt und authentisch. Kein Neonlicht stach in seine Augen, sondern ein Kristall-Leuchter erhellte sanft den gewölbten Raum und in den mit kunstvoll geschnitzten Säulen abgetrennten Nischen ringsum hingen kleine orientalische Öllämpchen.
Würde er hier finden was er suchte?
Wie er sich so durch die Reihen dicker Teppiche hindurch schlängelte, bemerkte er, dass zwei Augen ihn beobachteten, ja, er spürte es fast körperlich und blieb an einem Stapel mit wunderschönen Persern stehen.
Jemand näherte sich ihm leise schwebend, fast unhörbar und blieb unmittelbar hinter seinem Rücken stehen.
Ein süßlicher, schwerer Duft wie aus 1001er Nacht, erotisch, jedoch nicht aufdringlich, betörte seine Nase.
Langsam drehte er sich um, er war gefasst auf den Anblick eines fetten kleinen Türken, der ihm mit glitschig gegelten Haaren einen der teuren Teppiche aufschwatzen will, doch statt dessen erblickte er ...
SIE.
Sein Puls ging augenblicklich von 0 auf 100, Schweißperlen traten auf seine Stirn, er wollte etwas sagen, brachte jedoch nur ein krächzendes "ich..." hervor. Wie durch einen Nebel betrachtete er diese Fatamorgane von Frau... vor ihm stand Scheherezade in Persona
Ihr Körper war nur leicht verhüllt mit einem Kaftan aus durchscheinender schwarzer Seide, darunter konnte er einen Büstenhalter und ein winziges Höschen erkennen, sie mussten golden sein, oder es war das spiegelnde Licht?
Ihr Haar war versteckt unter einem schwarzen Turban, wie sie die Tuarek tragen und ihr Gesicht ließ sich nur erahnen durch den passenden ebenfalls schwarzen Schleier.
Er schaute sie verwundert an. Irgend etwas passte da nicht.
Die Lösung durchzuckte ihn von einer Sekunde auf die nächste...
es waren ihre Augen!
Alles an ihr war dunkel, sarazenenhaft, nur diese großen klaren und kunstvoll mit Kohle umrandeten Augen...
sie waren strahlend...
BLAU.
Der Teppichkauf
Kapitel 4
14 9-14 Minuten 0 Kommentare
Der Teppichkauf
Zugriffe gesamt: 10233
Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.