Dicke Eier

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Dicke Eier

Dicke Eier

Emil Lorenz

Entgegen meiner üblichen Gepflogenheiten ist dies keine Geschichte, sondern eine Ode an eine Frau aus dem echten Leben. Wenn man so will, eine Lebensbeichte. Das Wort „Beichte" macht das Ganze schon wieder einen Tick verwerflich, was es in keiner Weise ist.
Im Sommer 1978 wurde ich 18 Jahre alt. Die Geschichte kann erst hier beginnen, wegen Gesetzen und all dem Kram. Dicke Eier hatte ich schon mit 14, aber das darf hier keine Erwähnung finden. Genau angesichts dessen sage ich es noch einmal: dicke Eier, dicke Eier und nochmals dicke Eier. Die vier Jahre von den ersten dicken Eiern weg bis zum 18. Lebensjahr müssen wir uns denken: Ab 18 können wir Tacheles reden. Die dicken Eier blieben. Mit 14, mit 15, mit 16, mit 17 und auch noch mit 18. Was für ein Schwachsinn, als könnten Gesetze die Natur unterdrücken. Andererseits ist es auch nachvollziehbar und notwendig. Die Abgründe der menschlichen Seele können so schwarz und tief sein, dass es für einen sexuell normal entwickelten jungen Mann wie mich nicht vorstellbar ist. Wie das mit Männlein und Weiblein grundsätzlich funktioniert, war mir schon mit 14 klar. Mit 18 hatte ich auch das Recht dazu, darüber zu schreiben. Das tat ich damals nicht, ich meine, darüber zu schreiben. Die dicken Eier motivierten mich zu allem Möglichen, aber nicht zum Schreiben. Dann müssen wir diese Zeit vergessen, es ist auch nicht viel passiert, und fangen da an, wo es ein wenig interessanter wurde.
Mit dem 18. Geburtstag war es damals noch üblich, dass man etwas erwarb, bei dem die große Freiheit inklusive war. Richtig, der Führerschein. Das erste Auto wurde dann auch zeitnah gefunden und damit die Möglichkeit, ferne Länder zu erkunden. Meine Erkundungstour begann mit einer Reise nach Paris. Paris deswegen, weil es die Stadt der Liebe war.

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Gedichte auf den Leib geschrieben