Die Einladung

Berufsgeheimnisse - Teil 2

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Die Einladung

Die Einladung

Alnonymus

Sie ist fast einen Kopf kleiner als ich, schlank, ja zierlich, was durch ihr feines Gesicht, die flotte, naturblonde Kurzhaarfrisur, und vor allem durch ihre kleine Oberweite noch verstärkt wird. Den hellen, blassen Teint und die blauen Augen, hat sie von irgendwelchen schwedischen Vorfahren, wie sie mir einmal verraten hat. Wie dem auch sei, normalerweise fange ich nichts mit Kolleginnen an, und schon gar nicht mit verheirateten. Aber ein Dankeschön-Essen ist natürlich immer drin. Dieses findet an einem Donnerstagabend im Juli statt. Anke ist ausnahmsweise mal bis Freitag in Berlin, da sie an dem Freitag kurz bei einer Baustelle, die auf ihrem Heimweg liegt, vorbeimuss, um noch etwas abzugeben. Der Einfachheit halber nehme ich die Kollegin mit meinem Auto vom Büro aus mit, und werde sie natürlich nach dem Restaurantbesuch bei ihrer Wohnung absetzen. Erstens mache ich das gerne, zweitens ist es nicht einmal wirklich ein Umweg. Das Essen ist einfach köstlich. Nach einem Bier trinke ich aber nur noch etwas nichtalkoholisches, da ich ja noch fahren muss. Anke bestellt hingegen noch ein zweites Glas Weißwein. Die ganze Zeit über unterhalten wir uns über Gott und die Welt, alles nur Privates, nichts Berufliches.

Schließlich, wir sitzen schon eine ganze Weile zusammen, wird Anke sehr nachdenklich. Sie scheint vertrauen zu mir gefasst zu haben, denn plötzlich berichtet sie mir mit leiser Stimme, dass es in ihrer Ehe derzeit kriselt, wohl auch durch ihre Pendelei bedingt. Sie hat sogar den Verdacht, dass ihr Mann sie betrügt. Anke ist weit davon entfernt angetrunken zu sein, doch scheint auch der Wein daran nicht unbeteiligt, dass sie sich mir so ungeschminkt offenbart, schließlich kennen wir uns so gut auch wieder nicht. Es ist unglaublich schwer, ihr etwas zu raten, doch ich glaube, sie ist einfach nur froh, jemanden gefunden zu haben, der ihr zuhört.

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