Was denkst du, was geschehen wäre, wenn wir es angesprochen hätten, ohne etwas Genaueres zu wissen? Wie alt warst du bei deinem ersten Kuss? Hast du nicht mal erzählt, du warst noch jünger als Julia jetzt? Hättest du es dir von deinen Eltern verbieten lassen? Oder wäre es dann vielleicht aus Trotz noch heftiger geworden? Ich werde mit Julia und Torben reden, aber nichts verbieten. Denn es gibt immer einen Weg, ein Verbot zu umgehen.“
„Aber sie sind beide noch in der Schule“, kommt es niedergeschlagen über Connys Lippen.
„Klar sind sie das. Was denkst du überhaupt? Unterstellst du ihnen schon Sex? Dass sie verliebt sind, ahnen wir schon eine Weile. Aber ich vermute, über Küssen und ein paar Zärtlichkeiten geht es noch nicht hinaus. Ich rede mit beiden und spreche alle Bedenken an – doch in Ruhe und ohne etwas zu unterstellen. Ist das okay für dich?“
So schnell lässt sich Conny nicht beruhigen. Es braucht noch gut zwanzig Minuten, bis ich sie so weit habe, dass sie die Angelegenheit erst einmal mir überlässt. Sie ist nach dem Gespräch aber so durch den Wind, dass sie sogar vergisst, sich von Lisa und Julia, die in der Küche warten, zu verabschieden.
Ich finde Julia schluchzend in Lisas Armen. Dem Mädchen sanft übers Haar streichelnd, blickt mich Lisa fragend an.
Mit einer beruhigenden Geste an Lisa spreche ich meine Tochter an:
„Julia, deine Mutter ist weg. Kann ich mal mit dir reden, bitte?“
Schniefend blickt sie hoch, klammert sich aber weiterhin an Lisa fest. Die zwei haben wirklich schon eine engere Bindung als Mutter und Tochter.
„Komm her, mein Liebling. Ich möchte wirklich nur mit dir reden“, bitte ich Julia.
Hilfe suchend schaut sie Lisa an. Die nickt aufmunternd. Mit schleppenden Bewegungen kommt Julia um den Tisch herum.
Da steht meine Tochter – verheult, in sich zusammengesunken, ein Häuflein Elend.
Die Entdeckung
Ob das gut geht? – Teil 28
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