Ich ziehe sie an mich, berge ihren Kopf an meiner Schulter und versuche, sie zu beruhigen:
„Deine Mutter ist ein bisschen panisch, weil sie nicht mehr in deiner Nähe ist und Angst hat, dass wir dich vernachlässigen. Fühlst du dich von uns im Stich gelassen?“
Julia hebt den Kopf und wischt sich über die Augen.
„Nein, gar nicht. Lisa hat mehr Zeit für mich, als Mama sie jemals hatte. Mit Lisa kann ich über alles sprechen, was ich mich bei Mama nicht traue.“
„Ahh, du hast also mit Lisa schon darüber gesprochen, was deine Mutter so erregt?“
Fragend blicke ich dabei zu Lisa, die energisch mit dem Kopf schüttelt.
„Nein“, gesteht Julia leise, obwohl sie Lisas Reaktion nicht sehen kann. „Wir wollten immer, aber uns hat jedes Mal der Mut verlassen, wenn sich eine Gelegenheit ergab.“
„Ihr seid ineinander verliebt, hm?“, versuche ich zu ergründen und wische ihr sanft die Tränen von den Wangen.
„Ich weiß nicht“, gesteht sie und blickt mich ein bisschen hilflos an. „Mir fehlt da die Erfahrung.“
Ich ziehe Julia auf meinen Schoß und drücke sie sanft, um ihr Sicherheit zu geben.
„Was fühlst du in seiner Nähe?“
„Herzklopfen“, beginnt sie zögerlich. „Ein Ziehen im Bauch, wenn er mich berührt. Sehnsucht nach ihm, wenn er nicht da ist.“
„Du bist verliebt“, stelle ich schmunzelnd fest. „Oh ja, und zwar heftig, würde ich sagen. Und wie ist es bei ihm? Habt ihr darüber gesprochen?“
„Ihm geht es genauso und er ist ebenso unsicher wie ich, weil es bei ihm auch das erste Mal so ist.“
Lisa rückt sich einen Stuhl heran und streichelt wieder über Julias Haar.
„Die erste große Liebe. Ich kann dich verstehen, meine Kleine“, gestehe ich und versuche mir eine Strategie für das sensible Thema zu überlegen.
„Warum war Mama so böse, Papa? Ist das so schlimm, dass wir uns küssen?“
„Sie war nicht böse auf euch.
Die Entdeckung
Ob das gut geht? – Teil 28
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