Die ersten Schritte

Ob das gut geht? – Teil 21

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Die ersten Schritte

Die ersten Schritte

Jo Diarist

Da spielen wohl Klischeevorstellungen meinerseits eine ungute Rolle.
Aber das nur nebenbei. Das Resultat aus diesem und einer weiteren Aussprache ist: Lisa zieht zu mir. Den Anteil, den Conny am Haus hat, versuchen wir in einer Art Mietzahlung monatlich zu begleichen. Wenn wir finanziell besser gestellt sein sollten, auch in größeren Summen. Bernd ist Bürokrat und hält alles penibel fest, damit wir das mit einem Vertrag besiegeln können.
Bei meiner noch Frau wird es schwieriger. Im Haus kann und will sie nicht bleiben. Zu Bernd ziehen aber auch nicht, weil sie ihn noch zu wenig kennt, sagt sie.
Im Wohnblock auf Bernds Etage, wird im Januar jedoch eine Wohnung frei, um die sich Conny bemühen will.

Das und noch einige andere Probleme lassen sich relativ friedlich und vernünftig lösen. Die größte Herausforderung steht allerdings noch bevor. Die Kinder!
Gemeinsam mit Conny gehe ich das in der ersten Januarwoche an und wie befürchtet, ernten wir Wut, Verachtung und Tränen. Jedenfalls von Julia. Hansi geht recht abgeklärt damit um. Er sagt nur, dass er nicht auf dem Dorf bleiben will. Sollte „Mama“ in die Stadt ziehen, geht er mit, weil da wenigstens was los ist, meint er. Dann verschwindet er in sein Zimmer. Ich hab allerdings den Eindruck, dass er dort nicht mehr so cool bleibt.
Conny die ihm folgt, bestätigt das später auch, aber ich habe mit Julia zu tun.
Sie nimmt es wahnsinnig mit. Heulend sitzt sie auf meinem Schoss, schlingt die Arme um mich und fragt immer wieder: „Warum?“
Alle Versuche, ihr das zu erklären, bringen nicht wirklich Ruhe in sie. Erst als ich sie fest in den Arm nehme und lange Zeit über den Kopf streichle, versiegen die Tränen.
Von Stund an entwickelt sich ein abendliches Ritual. Julia besteht darauf, dass sie mindestens zehn Minuten auf meinem Schoss sitzt. Einen Teil der Zeit muss ich sie fest drücken, während sie sich an meine Brust schmiegt. Danach folgen das Streicheln übers Haar, je ein Kuss auf die Augen und ein besonderer Handschlag.
Drei Wochen geht das so, dann bekommt Conny die Zusage für die Wohnung und somit muss geklärt werden, bei wem die Kinder bleiben wollen. Sie selbst sollen das festlegen. Keiner von uns will sie zu etwas zwingen.
Hansi, zu dem ich kaum noch Zugang finde, lässt keinen Zweifel daran, mit der Mama zu gehen. Ich bin für ihn so was wie ein Feindbild geworden und er knurrt mich nur noch an. Es tut mir in der Seele weh und genau das nährt manch meine Zweifel an der Richtigkeit unseres Handelns.
Julia hingegen ist innerlich zerrissen, weil sie uns beide braucht, wie sie sagt. In die Stadt will sie aber nicht. Sie liebt das dörfliche Leben und möchte beim Papa bleiben, wünscht sich aber so oft wie möglich ihre Mutter zu sehen.

Die Jungs von Lisa reagieren ähnlich wie Hansi. Auch da bekommt der Papa den Schuldstempel aufgedrückt. Und es steht fest, wir müssen das Gästezimmer umfunktionieren, weil Lisa beide Kinder mitbringt.

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