Am nächsten Morgen bin ich drauf und dran, die letzten zwei Tage vor den Weihnachtsferien zu schwänzen. Conny überredet mich jedoch zu gehen, damit ich keine Probleme mit dem Arbeitsamt bekomme, sagt sie.
Ich bin mir aber nicht sicher, ob sie das nicht vielleicht macht, um freie Bahn für das Gespräch mit Lisa zu haben. Doch ich vertraue ihr dahingehend, dass sie keinen Stress macht, wie sie zu Lisa beim Abschied sagte. Bei unserer abendlichen Aussprache ging es ja auch ohne große Vorwürfe und Bedrängen ab.
Vom Unterricht nehme ich nicht wirklich etwas mit, weil meine Gedanken ständig um meine persönlichen Probleme kreisen.
In jeder Pause schreibe ich eine SMS an Lisa, bekomme aber erst in der letzten eine Antwort mit nur zwei Worten:
„Heute Abend“, woraus ich mir nicht viel nehmen kann.
Conny empfängt mich nach der Schule neutral, als wäre die Welt vollkommen in Ordnung. Nur eins steht dem entgegen, ihr Hinweis, ich solle Lisa anrufen.
Es ist das erste Mal, dass ich mit Lisa telefoniere, sonst lief außerhalb der Schule alles nur über SMS. Doch da jetzt sowieso alles offenliegt, brauchen wir diese Heimlichkeiten nicht mehr.
Zwei Stunden später sitze ich mit Lisa in einer kleinen Kneipe. Conny hat mich davor abgesetzt und wird mich auch wieder abholen. Sie selbst will auch noch was erledigen.
Vermutlich mit Bernd reden. Nachgefragt habe ich nicht. Will es gar nicht wissen.
Lisa sieht angegriffen aus. Tiefe Augenringe zeugen von wenig Schlaf, und im Moment kann ich nichts von der Frau erkennen, die wie ein Stand-up-Girl alle Aufmerksamkeit auf sich zieht.
„Gab es doch Stress mit Conny?“, ringe ich mich endlich zu einer Frage durch.
Lisa atmet tief durch, bevor sie mir antwortet:
„Nein, gar nicht. Ich bin nur zum ersten Mal in meinem Leben fast handlungsunfähig.
Die ersten Schritte
Ob das gut geht? – Teil 21
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Die ersten Schritte
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