Bitte entschuldigen sie, dass ich sie so angefahren habe. Sie können ja nichts dafür.“
„Wofür kann ich nichts?“, frage ich sofort zurück.
„Ich habe eigentlich auch Urlaub und hatte meinen Flug gleichzeitig als Anreise genutzt. Allerdings musste ich erst die Maschine übergeben, deshalb konnte ich nicht mit dem Shuttle hierher fahren. Und nun haben die Penner meine Buchung verkackt und kein Zimmer mehr frei. Überbucht oder sowas. Zu allem Überfluss komme ich heute nicht mehr zum Flughafen, es fährt kein Bus mehr.“
Ihr Kopf fällt auf ihre verschränkten Unterarme, die sie auf dem Tresen abgelegt hatte. Ich höre sie schluchzen. Beruhigend lege ich eine Hand zwischen ihre Schulterblätter. Keine Ahnung woher ich den Mut dazu habe.
„Abwarten, vielleicht findet das Management ja doch noch eine Lösung.“
„Ich habe wenig Hoffnung, dann fliege ich morgen eben wieder zurück.“, dreht sie ihren Kopf zu mir.
„Wenn sie möchten, kommen sie einfach mit auf mein Zimmer, dann sind sie nicht allein. Ich muss noch auspacken. Und danach lade ich sie zum Essen ein, Deal?“
Eine Weile sieht sie mich wortlos an. Ihre braunen Augen rasen unruhig auf meinem Gesicht hin und her. Es scheint, als würde sie etwas Hinterhältiges oder Lüsternes in meinem Gesichtsausdruck suchen. Aber sie findet nichts, denn wenige Augenblicke antwortet sie: “Deal.“
Ich lasse unsere Drinks auf meine Zimmernummer schreiben. Sie nimmt ihre kleine Bordtasche in die Hand. Ich vermute darin ihre Wertsachen, die sie nicht unbeobachtet in der Lobby zurücklassen möchte.
Als wir die Hütte erreichen flüstert sie: „Wow ist das schön hier.“ Staunend schaut sie sich alles an, wobei sich die eine oder andere Träne in ihren Augen sammelt. Natürlich ist sie traurig. Wäre ich auch, wenn ich mich auf meinen Urlaub freuen würde und dann so ein Desaster erleben würde.
Während ich meine Sachen in den Schrank räume sitzt sie auf dem Bett und beobachtet mich.
Die Flugbegleiterin - Kapitel 1
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Die Flugbegleiterin - Kapitel 1
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Die Flugbegleiterin
schreibt Huldreich