Die Flugbegleiterin - Kapitel 4

Fester Boden unter den Füßen

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Die Flugbegleiterin - Kapitel 4

Die Flugbegleiterin - Kapitel 4

Gero Hard

Wenn möglich, möchte ich aus persönlichen Gründen künftig nur noch Inlandflüge fliegen. Sollte das nicht machbar sein, bitte ich darum entlassen zu werden.“, sage ich bestimmend mit festem Blick in die Runde. Die 4 sehen sich betroffen an, bis der Ältere wieder das Wort führt.

„Ich kann Sie beruhigen. Herr Baumgart sitzt bis zur Verhandlung, zu der es ganz sicher kommen wird, in Untersuchungshaft. Sie werden ihm bis dahin nicht mehr begegnen. Ihr Einsatzplan wird auf Inland geändert. Aber erst nehmen Sie sich noch diese Woche frei und dann Kontakt zu unserem Psychologischen Dienst auf. Dort vereinbaren Sie ein paar Therapiestunden, das wird Ihnen helfen. Und bitte, nehmen Sie unsere tiefempfundene Entschuldigung an, auch im Namen und Auftrag der Airline.“

Kein Stein, sondern ein Felsbrocken fällt mir vom Herzen. Unbeschreibliche Erleichterung überkommt mich.

Niemals hätte ich mit solch einem Ausgang der Befragung gerechnet. Die Airline steht hinter mir. Gut zu wissen. Bevor ich das Büro verlasse, bekomme ich von der Hornbrille noch einen großen Umschlag überreicht, in dem der eben gefasste Beschluss schwarz auf weiß zu lesen ist. Ich kann es immer noch nicht glauben.

Aufgewühlt sitzt du auf einer Holzbank, die irgendwo im Flur an der Wand steht. Dein rechtes Bein zittert nervös auf und ab. Als ich aus dem Büro komme, springst du sofort auf und kommst mir entgegen. Ich werfe mich in deine offenen Arme. Jetzt, wo die Anspannung weg ist, weine ich haltlos in deine dünne Sommerjacke. Geduldig lässt du mich weinen, bis ich mich selbst von dir löse.

Zusammen sitzen wir jetzt auf der Holzbank. Ich erzähle dir vom Ausgang der Befragung. Überglücklich verlassen wir 15 Minuten später das prunkvolle Gebäude der Airline.

„Komm, ich lade dich auf ein leckeres Eis ein.“, ziehst du mich mit.

„Schatz, nach einem langen Spaziergang ist mir jetzt nicht. Ich habe gerade fiese Unterleibsschmerzen. Die Aufregung und meine Periode, du weißt schon.“ 

„Ist nicht weit, wir nehmen das Auto.“, beruhigst du mich. In dem kleinen Café genehmige ich mir erstmal eine Ibu400. Vielleicht geht’s mir dann besser.

Viel besser wird‘s aber auch damit leider nicht. Ich muss auf die Couch. Wie selbstverständlich weichst du mir nicht von der Seite. Machst mir Tee, holst eine Wärmflasche …, einfach rührend, wie besorgt du dich um mich kümmerst. Was mache ich bloß, wenn du mal nicht da bist? Leider müssen wir heute den ganzen Tag in der Wohnung bleiben, weil es mir nicht besonders gut geht.

Allerdings bestehst du darauf, dass ich heute schon bei meiner Frauenärztin anrufe, um einen Termin zu machen. Ich darf gleich morgen früh vorbeikommen. Ich muss alleine hin, was auch nicht weiter tragisch ist, das bin ich gewohnt. Außerdem musst du wieder zur Arbeit.

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