“, lache ich zurück.
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Als nächstes Highlight in unserem Alltag steht der Termin gegen Felix auf dem Plan. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit findet der Prozess vor der Berliner Strafkammer statt. Leider bleibt es dir nicht erspart, den Vorfall im Crewraum detailreich zu schildern. Einzig die Tatsache, dass die Richter und Anwälte sicher schon viel Schlimmeres gehört haben, lässt dich diese erniedrigende Schilderung überstehen und die Scham ertragen. Es war klar, dass er behaupten würde, alles sei einvernehmlich gewesen. Doch die vorliegenden Akten, die Vernehmungen und Atteste, sprechen eine deutliche Sprache gegen ihn. Wegen der Schwere der Tat lautet das Urteil: 3 Jahre ohne Bewährung.
Noch im Gerichtssaal wird ihm von einem Anwalt der Airline, die schriftliche, fristlose Kündigung überreicht.
Wieder eine abgeschlossene Baustelle, die dir dein Leben erträglicher macht. Die ganzen Wochen war dir anzumerken, dass dieser Prozess wie ein Schatten über dir schwebt. Dich daran hinderte, vollends glücklich zu sein und dich auf deine Mutterrolle vorzubereiten.
Und genau diese Mutterrolle, wird dich schon sehr bald ausfüllen. Du bist jetzt Anfang des fünften Monats. Mittlerweile schiebst du eine beachtliche Kugel vor dir her, diesen wunderschönen, runden Bauch.
Deine Brüste haben fast eine ganze Körbchengröße zugelegt. Aber Milch ist natürlich noch keine eingeschossen.
Heute sitzen wir im Wartezimmer deiner Frauenärztin. Ich komme mir hier immer noch komisch vor. Meistens bin ich der einzige Mann zwischen den Frauen aller Altersklassen. Die Jüngeren starren mich abschätzend an und die Alten verachtend. Bei diesen Generationen scheint es noch ein ‚No Go‘ für einen Mann zu sein, bei der Untersuchung seiner Partnerin dabei zu sein. Ich bin mir sicher, dass die Jüngeren später sehr froh sein werden, wenn sie einen Partner haben, der sie bei ihren Schwangerschaften unterstützt.
Innerlich lächelnd stelle ich mir vor, wie die jungen Männer schamviolett anlaufen, wenn ihre Partnerinnen breitbeinig und offen vor ihnen auf dem Stuhl liegen.
„Neumann“, reißt mich dein Name aus meinen Gedanken. Hand in Hand gehen wir in den Behandlungsraum. Auf den Stuhl brauchst du heute nicht. Die papierbelegte Liege reicht für die anstehende Ultraschalluntersuchung völlig aus. Langsam und bedächtig führt die Ärztin den Ultraschallkopf über die gespannte Haut. Aufmerksam beobachten wir die sich bewegenden Bilder auf dem Monitor. Mit Anfangs- und Endpunkten vermisst sie Arme und Beine des Fötus. Am rechten Bildschirmrand stehen neben deinem Namen, Größe und geschätztes Gewicht des Säuglings.
„Wollen Sie wissen was es wird?“, fragt uns Frau Weißkittel. Kurz sehen wir uns an und nicken uns gegenseitiges Einverständnis zu.
„Es ist eine kleine Lady.“, verrät uns Frau Doktor.
Fest drückst du meine Hand und lächelst mich glückselig an. Ein Mädchen, das haben wir uns gewünscht! Längst haben wir mögliche Namen diskutiert. Zahllose Bücher mit Vorschlägen durchstöbert, Google nach aktuellen Ranglisten befragt. Es war ein zähes Ringen zwischen uns. Eine der wenigen Fragen, bei denen wir uns nicht so ganz einig sind. Der einzige Mädchenname, der uns beiden gefällt ist: LEA (aus dem hebräischen „Die Löwin“)
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