Als fast 41jährige ist eine Schwangerschaft nicht immer ratsam. Na ja, wir werden sehen.
Manchmal bin ich auf das zarte Wesen etwas eifersüchtig, wenn sie durstig an deinen Brüsten nuckelt, oder sie stundenlang deine ungeteilte Aufmerksamkeit einfordert. Dann entschädigt mich dein Blick für das Gefühl, gerade etwas zurückgesetzt zu sein. Ich komme damit klar, muss ich ja auch. Und es ist auch ok so. Es liegt in der Natur der Sache, dass es ist, wie es eben ist. Die Zeiten werden sich wieder ändern und dann darf auch ich wieder an deinem Leben teilhaben. Und bis dahin werde ich dich verwöhnen und im Haushalt entlasten, so gut ich eben kann. Das ist die Rolle, die mir im Moment zugedacht ist und die ich auch gerne übernehme.
Genau zwei Wochen nach Leas Geburt ist mein Scheidungstermin. Ich lasse es mir nicht nehmen, meine neue Familie mit in den Gerichtssaal zu nehmen. Lea im Tragetuch vor deiner Brust, mit meinem Arm um deine Hüfte geschlungen, betreten wir den großen Raum. Carola sitzt mit ihrem Winkeladvokaten schon da.
Wenn Blicke töten könnten, würdest du mit Lea zusammen sofort tödlich getroffen zu Boden sinken. Wie Giftpfeile schießt sie ihre Blicke auf uns. Hinter uns kommen auch Marco und Frauke in den Saal. Marco kennt Carola, und umgekehrt.
„War so klar, dass du den und deine neue Schlampe hier mit anschleppst.“, sagt sie laut über die Tische hinweg.
„Neidisch?“, frage ich provokant zurück.
Natürlich habe ich den alten Mann im Publikum entdeckt, dem der Sabber aus den Mundwinkeln tropft, wenn er dir in deinen übertrieben großen Ausschnitt glotzt indem du deine neu gemachten, viel zu großen Wuchtbrummen präsentierst. Bestimmt hat er das teure Silikon bezahlt, so deute ich deine „verliebten“ Blicke, die du ihm zuwirfst und dabei mit den Augen klimperst. Was immer du ihm nach der Verhandlung versprochen hast, er scheint sich schon mächtig darauf zu freuen.
Der Richter lässt die persönlichen Daten aus dem Scheidungsantrag verlesen und fragt uns, ob alles soweit richtig ist. Dann will er wissen, ob das angegebene Trennungsdatum stimmt, damit er beurteilen kann, ob das Trennungsjahr eingehalten ist. Unsere Anwälte bestätigen die Richtigkeit der Angaben.
„Herr Rolfes, wollen Sie von der hier anwesenden Carola Rolfes geschieden werden?“
„Ja, Herr Richter!“
„Frau Rolfes, wollen Sie von dem hier anwesenden Tobias Rolfes geschieden werden?“
„Nein, will ich nicht!“
Mindestens vier Menschen in diesem Raum sitzen mit aufgerissenen Augen und offenem Mund auf ihren Stühlen. Eine fallende Stecknadel hätte ohrenbetäubenden Lärm verursacht. Selbst der Richter hätte mit dieser Antwort nicht gerechnet.
Kurz berate ich mich mit meiner Anwältin und erzähle ihr von der Erpressung, der Geldübergabe und das es davon ein Video gibt.
„Herr Richter, darf ich mit meinem Kollegen zum Richtertisch vortreten? Es gibt etwas, das Sie sich ansehen sollten.“
Meine Anwältin ist aufgestanden und hält mein Handy nach vorn. Mit einer einladenden Handbewegung bittet er uns nach vor. Nur wenige Minuten ist das Video lang. Überrascht sieht er zu Carola, die sofort leichenblass wird.
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