Die Flugbegleiterin - Teil 5

Fester Boden unter den Füßen

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Die Flugbegleiterin - Teil 5

Die Flugbegleiterin - Teil 5

Gero Hard

Nach dem leckeren Essen fährst du nicht, wie erwartet zu dir, sondern zu mir in die Wohnung.
Du möchtest, dass ich einige Sachen packe und gleich heute Abend bei dir übernachte. Nur zu gerne komme ich deinem Wunsch nach. Mein ganzer Körper kribbelt vor Aufregung. Und der kleine Zellhaufen in mir bringt meinen kompletten Hormonhaushalt völlig durcheinander. Im Normalfall würde ich jetzt liebestrunken und hemmungslos über dich herfallen und dir den letzten Tropfen deines Samens aus deinen prallen Hoden saugen. Aber heute ist mir nicht danach. Heute möchte ich mich zärtlich an dich drücken, meine Schulter unter deine Achsel schieben und meinen Kopf auf deiner Brust ablegen. Und genauso möchte ich dann, mit deinem Herzschlag in meinem Ohr, einschlafen.
Noch vor zwei Monaten hatte ich keine feste Beziehung, sondern nur diese zweckmäßige aber dumme ‚Freundschaft +‘ mit Felix. Und dann kommt aus heiterem Himmel dieser eine schicksalshafte Tag mit dieser einen außergewöhnlichen Begegnung, der mein Leben - und mich - von jetzt auf gleich komplett auf den Kopf gestellt hat.
Dabei war ich mit schlechter Laune in das blöde Flugzeug gestiegen. Am Abend hatten Felix und ich heftigen Streit. Ich war froh, endlich ein paar Tage aus seinem Dunstkreis zu verschwinden. Schon länger begann mich seine aufdringliche und rabiate Art zu nerven. Aber mich zu trennen habe ich nicht gewagt. Lieber wollte ich mich von ihm benutzen lassen, als mein Dasein alleine vor mich hinzufristen. Er schien mir von allem das kleinere Übel zu sein. Dann die Überbuchung im Hotel, die Wut wegen des verkorksten Urlaubs.

Und nun liege ich hier in deinem Bett. Überglücklich, frisch verlobt, schwanger und als ein ganz neuer Mensch.
Doch nun steht eine neue Herausforderung an. Bei uns wird es nie langweilig. Unsere Eltern wissen, dass wir zusammen sind und dass sie Großeltern werden. Aber, dass du mir einen Antrag gemacht hast, wissen sie noch nicht.
Ich habe die Idee, einen Kaffeenachmittag zu organisieren. Ähnlich, wie wir es bei Marko und Frauke gemacht hatten. Du findest meine Idee genau richtig und wir einigen uns auf den nächsten Sonntag. Auf die lange Bank schieben kommt nicht in Frage.

Deine Eltern sind klasse. Jetzt weiß ich, woher du deine liebevolle Art hast. Beide begrüßen mich freundlich. Dein Vater etwas zurückhaltend per Handschlag, aber deine Mutter schließt mich gleich fest in ihre Arme.
Ohne, dass es abgesprochen wäre, machen es meine Eltern bei dir ähnlich.
Keine abschätzigen Bemerkungen oder verächtlichen Blicke und kein abfälliges Mustern. Vom ersten Augenblick an haben wir das Gefühl, in der jeweils anderen Familie herzlich willkommen zu sein.
Deine Mutter fragt dich, ob du immer noch dieses große Fotoalbum von früher hast. Zähneknirschend legst du es auf den Tisch. Sofort entsteht ein wildes Gegacker zwischen uns Frauen, als wir die Kinderbilder von dir durchsehen. Du warst früher schon ein ganz Süßer.
Ihr Männer habt euch verdrückt. Worüber ihr euch unterhaltet, verstehe ich nicht. Aber eure Stimmung ist nicht weniger gut. Auch an eurem Tisch wird viel gelacht.
Es ist ein kurzweiliger Nachmittag, bis sich alle spät abends verabschieden. Mit dem Verlauf des Tages sind wir sehr zufrieden. Es bestärkt uns, alles richtig gemacht zu haben.

****

Dann kommt eine Zeit, in der bei uns alles so läuft, wie es normalerweise in einer glücklichen Beziehung laufen sollte. Gott sei Dank ohne neue Hiobsbotschaften, ohne Streit und Stress.
Wir freuen uns darauf, uns abends in den Arm zu nehmen und uns zu küssen, wenn wir von der Arbeit kommen. Uns wird immer noch warm, wenn wir zusammen auf der Couch sitzen und kuscheln. Der Reiz des Neuen ist noch lange nicht verflogen. So vergehen zweieinhalb Monate, geprägt vom Alltag in der Luft oder bei dir am Schreibtisch, von sinnlicher Erotik und vom Vertiefen unserer noch jungen Beziehung.
Es ist einfach atemberaubend, wie selbstverständlich du die richtigen Knöpfe drückst, die mich dahinschmelzen lassen. Die mich in höchste Erregung versetzen, ohne, dass du wirklich in mich eindringst.
Manchmal kann ich einfach nicht anders. Dann drücke ich meinen Rücken durch und biete mich dir wie eine läufige Hündin an. Einfach überwältigend, wenn deine Hände meinen Körper erkunden oder du mich mit deiner Zunge um den Verstand leckst. Nie zuvor habe ich solche Lust empfunden, wie mit dir. Keine Routine stellt sich bei uns ein.
Meine Hormone spielen verrückt. Immer häufiger sehne ich mich nach dir, nach deinen Berührungen, oder auch
danach, dass du mich aufspießt. Das du vollständig von mir Besitz ergreifst und mit mir schläfst, bis mich die Wellen eines Orgasmus in andere Sphären schweben lassen.
Es gibt nichts Schöneres, als neben dir einzuschlafen, deinen ruhigen Atem zu hören und morgens neben dir aufzuwachen.
Es ist ein Freitag, als du abends von der Arbeit kommst und einige Reiseprospekte auf den Tisch legst.
LAS VEGAS? Was soll das und was willst du da? Eine Stadt mitten in der Wüste. Was soll da sein, außer Spielcasinos und …? Dann wird es mir schlagartig klar.
„Ist es das, was ich denke?“
„Ja“, sagst du, „ich dachte, es wäre eine schöne Idee, in Las Vegas zu heiraten. In einer der berühmten ‚Wedding Chapel‘, was hältst du davon?“
„Das klingt sehr romantisch und schön, aber was machen wir mit den Trauzeugen und unseren Eltern?“
Die Trauzeugen nehmen wir einfach mit und die Eltern lassen wir über Skype teilnehmen. Und wenn wir wieder hier sind, machen wir ne ordentliche Party mit allen!“, erwiderst du voller Überzeugung.
Du hast immer noch so wunderschöne, verrückte Ideen. Aber unseren Plan behalten wir für uns, bis unsere eigenen Planungen gereift sind. Und es gibt noch eine große Hürde zu nehmen, an der du dringend arbeiten musst: Du bist noch nicht geschieden!!

Hoffentlich macht uns Carola nicht noch einen dicken Strich durch unsere Rechnung. Dann kratze ich ihr die Augen raus!
Am meisten freut uns der Besuch von Frauke und Marco. Es musste etwas besonders geben, wenn die zwei zusammen bei uns aufkreuzen. Noch dazu unangemeldet und mit Kuchen in der Hand.
Endlich hat auch meine Schwester ihren ‚Mr.Right‘ gefunden! Ich freue mich wirklich für die beiden. Und mit Marco hat sie einen guten Fang gemacht. Hoffentlich bleibt wenigstens ihr ein dramatischer Start in die Partnerschaft erspart. Na ja, eigentlich haben wir die beiden zusammengebracht. Drücken wir die Daumen, dass es hält.

Tobi, es geht weiter: In meinem Kopf habe ich den Ablauf und die Bilder unserer Hochzeit längst fertig. Ich stelle mir alles wunderschön vor. Mit weißen Tauben, die in den Himmel aufsteigen. Mit einer schön geschmückten Kirche.
Schon letzte Woche habe ich mit meiner Anwältin einen Termin vereinbart. Es sollte darum gehen, wie man mein Scheidungsverfahren beschleunigen könnte. Aber ohne Carolas Mithilfe gibt es da keine Chance. Nur wenn sie zustimmt, den Trennungszeitpunkt vor den tatsächlichen zu datieren, hat man dem Gericht gegenüber das Trennungsjahr eingehalten. Das müssen beide im Scheidungsantrag angeben. Im Grunde kann es auch nur in Carolas Sinn sein, die Scheidung so schnell wie möglich über die Bühne zu bringen.
Also bitte ich die Anwältin, ein entsprechen Schriftsatz zu verfassen. Hoffentlich geht alles gut. Jetzt hilft nur abwarten.
Aufgeregt warte ich auf Nachrichten von Carola. Ein Brief, ein Anruf oder wenigstens eine WhatsApp, um die Details zu klären. Genau fünf Tage dauert es, bis ich eine Nachricht von ihr im Briefkasten finde:
Wir können das unkompliziert lösen. Gib mir 15.000 Euro, dann stimme ich der Vordatierung zu. Kriege ich kein Geld, werde ich dir und deiner neuen Schlampe das Leben schwer machen, das schwöre ich. Und da ist das Trennungsjahr noch das Wenigste. Solltest du auf die Idee kommen mich jetzt wegen Erpressung anzuzeigen, werde ich diese Nachricht abstreiten. Beste Grüße (Keine Unterschrift)‘
Wo soll ich denn auf die Schnelle 15.000€ hernehmen? Ich selbst habe 5.000€ auf der Kante, ohne die Reserven für die Hochzeit anzugreifen. In Gedanken gehe ich alle Möglichkeiten durch, wo ich mir den Rest der Summe leihen könnte. Kathi, meine Eltern, Marco, die Bank, der Arbeitgeber oder die Spielbank? Dir sage ich erst mal von dieser Forderung nichts. Obwohl, das nicht fair ist.
Abends auf der Couch, zeige ich dir die handgeschriebene Frechheit. „Und was machen wir jetzt?“, fragst du mich.
„Wir?“
„Na klar, wir. Was sonst. Schließlich sind wir zusammen. Da ist es selbstverständlich, dass ich dir helfe. Von mir kannst du 2.000€ haben. Leider musste ich gerade erst meinen Ex auszahlen. Jetzt bin ich fast blank.“ 

Am nächsten Tag sind meine Eltern die ersten, mit denen ich telefoniere. 5.000€, mehr können sie kurzfristig nicht locker machen. Das wären dann 12.000€.
Mit Marco wird es ein längeres Gespräch auf der Arbeit. Natürlich muss ich ihm genau erklären worum es geht. Leider auch, dass das Risiko besteht, dass Carola der Vordatierung trotzdem nicht zustimmt. Aber dazu habe ich mir einen Plan ausgedacht. Trotzdem vertröstet er mich. Er müsse noch was klären, sagt er mir. Außerdem wäre er ja eh immer chronisch pleite.
3 Stunden später kommt er zu mir ins Büro: „Dreitausend geht klar. Von Frauke und mir.“
Sofort schicke ich Carola eine WhatsApp. WhatsApp ist gut, die kann man im Zweifel für beide Seiten löschen. (Denke ich). Dann rufe ich meine Scheidungsanwältin an und bitte darum den vorbereiteten, zurückdatierten
Scheidungsantrag abholen zu dürfen.
Mein Plan ist es, dass Carola ihn unter Zeugen unterschreibt und erst danach das Geld in bar von mir erhält. Wenn möglich, werde ich Marco und Frauke mitnehmen. Es sind zwei Fremde, die im Zweifel nicht als befangen abgelehnt werden können.
Zwei weitere Tage brauchte ich um das Geld zusammenzutragen und einen Termin für die Übergabe zu arrangieren. Während Marco und Frauke direkt bei der Übergabe dabei sein sollen, sollst du aus sicherer Entfernung ein Handyvideo davon aufnehmen.

Ein kleines, aber übersichtliches Café ist der geeignete Ort. Ich sitze da und warte auf Carola. Aufgetakelt und in Begleitung eines fast siebzigjährigen, senilen Herrn, kommt sie angestöckelt. Der Alte hat stolz seine Hand auf ihrem zugegeben süßen Arsch. Aber er schafft es kaum, ihren langen Schritten zu folgen.
Außer Geld kann sie von dem auch nicht mehr viel erwarten. Ich kenne sie. So wild wie die im Bett abgehen kann, erliegt der Senior schnell einem Herzinfarkt. Und ohne Viagra geht da sowieso nichts mehr. Wahrscheinich holt sie sich ihre Ficks sowieso bei jüngeren Herren. Wenn er glück hat, darf der Opa vielleicht sogar zusehen.
Ich muss mir ein herzhaftes Lachen verkneifen und übrig bleibt ein anzügliches Grinsen, als der Typ brav neben ihr stehenbleibt, während sie wütend auf dem Stuhl Platz nimmt. Nicht ohne mich anzufauchen, was die beiden Witzfiguren neben mir hier zu suchen haben. Es ist mir egal was sie denkt, oder ob sie uns beleidigt. Ich will nur noch die Unterschriften unter den Antrag, den ich ihr zu diesem Zweck rüberschiebe. Und das möglichst schnell. Daneben lege ich den Umschlag mit dem Geld. Erst als sie alle Unterschriften gekritzelt hat gibt meine Hand das gut gefüllte Couvert, für das Video deutlich sichtbar, frei.
Das wäre erst mal geschafft. Mit leichtem Lächeln übernimmt meine Anwältin den Umschlag. „Ich frage besser nicht, wie Sie das geschafft haben.“, sagt sie mir.
„Nein, das fragen Sie besser nicht. Und bitte machen Sie Druck bei Gericht. Ich möchte bitte schnell geschieden werden.“, lache ich zurück.

****

Als nächstes Highlight in unserem Alltag steht der Termin gegen Felix auf dem Plan. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit findet der Prozess vor der Berliner Strafkammer statt. Leider bleibt es dir nicht erspart, den Vorfall im Crewraum detailreich zu schildern. Einzig die Tatsache, dass die Richter und Anwälte sicher schon viel Schlimmeres gehört haben, lässt dich diese erniedrigende Schilderung überstehen und die Scham ertragen. Es war klar, dass er behaupten würde, alles sei einvernehmlich gewesen. Doch die vorliegenden Akten, die Vernehmungen und Atteste, sprechen eine deutliche Sprache gegen ihn. Wegen der Schwere der Tat lautet das Urteil: 3 Jahre ohne Bewährung.
Noch im Gerichtssaal wird ihm von einem Anwalt der Airline, die schriftliche, fristlose Kündigung überreicht.
Wieder eine abgeschlossene Baustelle, die dir dein Leben erträglicher macht. Die ganzen Wochen war dir anzumerken, dass dieser Prozess wie ein Schatten über dir schwebt. Dich daran hinderte, vollends glücklich zu sein und dich auf deine Mutterrolle vorzubereiten.

Und genau diese Mutterrolle, wird dich schon sehr bald ausfüllen. Du bist jetzt Anfang des fünften Monats. Mittlerweile schiebst du eine beachtliche Kugel vor dir her, diesen wunderschönen, runden Bauch.
Deine Brüste haben fast eine ganze Körbchengröße zugelegt. Aber Milch ist natürlich noch keine eingeschossen.
Heute sitzen wir im Wartezimmer deiner Frauenärztin. Ich komme mir hier immer noch komisch vor. Meistens bin ich der einzige Mann zwischen den Frauen aller Altersklassen. Die Jüngeren starren mich abschätzend an und die Alten verachtend. Bei diesen Generationen scheint es noch ein ‚No Go‘ für einen Mann zu sein, bei der Untersuchung seiner Partnerin dabei zu sein. Ich bin mir sicher, dass die Jüngeren später sehr froh sein werden, wenn sie einen Partner haben, der sie bei ihren Schwangerschaften unterstützt.

Innerlich lächelnd stelle ich mir vor, wie die jungen Männer schamviolett anlaufen, wenn ihre Partnerinnen breitbeinig und offen vor ihnen auf dem Stuhl liegen.
„Neumann“, reißt mich dein Name aus meinen Gedanken. Hand in Hand gehen wir in den Behandlungsraum. Auf den Stuhl brauchst du heute nicht. Die papierbelegte Liege reicht für die anstehende Ultraschalluntersuchung völlig aus. Langsam und bedächtig führt die Ärztin den Ultraschallkopf über die gespannte Haut. Aufmerksam beobachten wir die sich bewegenden Bilder auf dem Monitor. Mit Anfangs- und Endpunkten vermisst sie Arme und Beine des Fötus. Am rechten Bildschirmrand stehen neben deinem Namen, Größe und geschätztes Gewicht des Säuglings.
„Wollen Sie wissen was es wird?“, fragt uns Frau Weißkittel. Kurz sehen wir uns an und nicken uns gegenseitiges Einverständnis zu.
„Es ist eine kleine Lady.“, verrät uns Frau Doktor.
Fest drückst du meine Hand und lächelst mich glückselig an. Ein Mädchen, das haben wir uns gewünscht! Längst haben wir mögliche Namen diskutiert. Zahllose Bücher mit Vorschlägen durchstöbert, Google nach aktuellen Ranglisten befragt. Es war ein zähes Ringen zwischen uns. Eine der wenigen Fragen, bei denen wir uns nicht so ganz einig sind. Der einzige Mädchenname, der uns beiden gefällt ist: LEA (aus dem hebräischen „Die Löwin“)

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