Die Frau erster Klasse

Showtime - Teil 1

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Die Frau erster Klasse

Die Frau erster Klasse

Lenard D. Blixen

Mein Blick fiel auf die Pfütze zu unseren Füßen, und ich spürte, dass meine Hose wieder enger wurde, aber von gegenüber war immer noch Funkstille.
Nach knapp einer Stunde: „Nächster Halt: Darmstadt Hauptbahnhof!“

Meine schöne Reisebekanntschaft erhob sich und flüsterte: „So, mein Lieber, hier verlasse ich Dich jetzt.“

Neiiiin, bitte nicht jetzt, hämmerte es in meinem Kopf. Es half alles nichts; der Zug wurde bereits deutlich langsamer. Sie nahm ihre Jacke vom Haken, galant hob ich ihre Reisetasche aus dem Gepäcknetz und schaute offensichtlich wie ein Hundewelpe.
„Geil war´s mit Dir!“, hauchte sie mir beim Vorbeigehen ins Ohr und verließ das Abteil.

So etwas war mir schon ewig nicht mehr passiert; ein Absturz von Wolke sieben bis in die tiefsten, tiefsten Qualen des Abschiedsschmerzes. Ich trat an das Fenster, um einen letzten Blick von ihr auf dem Bahnsteig zu erhaschen. Ihr weißes Kleid mit den großen bunten Blumen wehte hinter ihr her. Fast wie ein kitschiges Klischeebild kam mir ein ganz besonderer Song in den Kopf:

I saw an angel, of that I′m sure… You're beautiful, you′re beautiful
You′re beautiful, it's true, I saw your face, in a crowded place…
Yeah, she caught my eye, as I walked on by, She could see from my face that I was flying high

Nachdenklich drehte ich mich um; der Alte schnarchte noch immer vor sich hin. Mein Blick fiel auf den Sitz, wo sie eben noch gesessen hatte. Sie hatte mächtig abgespritzt; den blauen Veloursitz zierte ein großer dunkler Fleck. Ehe vielleicht jemand ins Abteil kommen würde, setzte ich mich in ihren Sitz, den dunklen Fleck zwischen meinen Beinen. Ich schaute auf die wieder vorbeiziehende Landschaft, gedankenverloren strich ich mit meinen Fingern darüber, fühlte das mittlerweile kaltgewordene Nass ihres Liebessaftes.

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