Lea und Matthes erwarteten einen strengen, stattlichen, alten Mann, der ihre Missetaten aufzählen würde. Unser Nikolaus hingegen drohte nur kurz mit der Rute und verteilte dann großzügig die Gaben. Während die Kinder auspackten, raunte die verkleidete Romy mir kurz zu, dass sie nicht wusste, dass ich eine Freundin hätte. „Nein, keine Freundin, jedenfalls nicht so wie Du denkst;“ versuchte ich die Situation richtigzustellen und bat sie, in zwei Stunden noch einmal zu kommen. Dann wäre mein Neffe im Bett. „Auf ein Glas Wein…und um mich zu bedanken…“ Und ich fügte meiner Einladung ein nachdrückliches: „BITTE!“ an.
Die als Nikolaus verkleidete Romy ging auf Nicole zu und fragte leise: „Du ziehst dein Mädchen alleine auf?“
„Nein, mein Mann kommt erst morgen von seiner Dienstreise zurück. Und Tobi,“ sie schaute zu mir herüber, „war so nett, mich heute einzuladen.“
„Dann ist ja alles Gut,“ brummte der Nikolaus und verabschiedete sich von den Kindern.
„Um neun?“ fragte Romy an der Türe, die ich ihr aufhielt. „Ja, ich freue mich!“ hauchte ich ihr zu und sah ihr nach, wie sie die Treppen lautstark hinunterpolterte.
Schlag neun klopfte es leise an meiner Wohnungstüre. Romy. Noch immer im rot-weißen Nikolausmantel und entsprechender Mütze auf dem Kopf. Lediglich auf den Bart hatte sie verzichtet. „Ho, ho!“ begrüßte sie mich und bat um Einlass. Mit ihrer auf tief verstellten Stimme meinte die Nikoläusin: „Setz Dich, mein Junge,“ Natürlich konnte ich mir ein Lächeln nicht verkneifen, ließ mich aber auf dem Sofa nieder.
„Auch für Dich hat der Weihnachtsmann ein Geschenk mitgebracht.“ Sie griff in ihren Sack und überreichte mir eine eingepackte Flasche Wein. „Und das hier,“ Romy legte das letzte Teil aus dem Jutesack auf den Tisch, „machen wir später auf.“ Es war ein Päckchen, etwa so groß wie, ja, wie eine Packung Kondome. Natürlich hätte ich nicht im Traum daran gedacht, dass da tatsächlich Kondome drin wären.
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