Und wie wir uns, emotionsgeladen, getrennt hatten. Ich erzählte und erzählte. Und meine neue Bekannte hörte aufmerksam zu. Klar, ich hatte Fehler gemacht. Und Judith hat mir diese jetzt knallhart an den Kopf geworfen. Aber auch gemeint: „Geh hin, rede mit ihr! Und wenn sie nicht ganz blöde ist, wird sie Dir zuhören. Und wenn sie Dich noch ein kleines bisschen liebt, wird sie euch diese Chance geben! Du bist so ein guter Kerl! Lena wird das auch wissen! Und wenn nicht, dann soll sie mich anrufen!“ Damit erklärte Judith unsere Psychologiestunde für beendet. „Jetzt gehen wir ins Bett! Schlafen!“
Über den Umweg zu meinem Rucksack, den ich mitnahm, gingen wir zurück in die Kabine. „Dort wolltest Du schlafen?“, grinste Roberts Frau und referierte in düsteren Worten, wie ungemütlich und kalt das gewesen wäre.
Robert wartete bereits in der Kabine auf uns. „Du dort und ich mit meinem Mann auf dieser Seite des Bettes!“ Judith gab klare Anweisungen. Kein Schmusen, keine heißen Küsse? Ich war schon etwas enttäuscht, ließ es mir aber möglichst nicht anmerken. Nicht dass ich hätte, doch noch an Deck nächtigen müssen. Immerhin schmiegte sich Roberts Frau so an ihren Mann, dass sie zwischen ihm und mir lag.
Draußen brach gerade die Morgendämmerung an, als ich durch sanfte Küsse im Schulterbereich geweckt wurde. „Psssst, leise!“ flüsterte eine Frauenstimme. Judith lag ganz eng in meinem Rücken. Ihre Finger, nein eher nur mit den Fingerspitzen, streichelte sie meine Leistengegend. Sie hatte sich jetzt auf ihren Ellenbogen aufgestützt und anstatt Küsschen zu verteilen verlegte sie sich aufs Knabbern an meinem Ohrläppchen. „Lust?“, hörte ich ganz leise ihre Stimme.
Damit sie keinesfalls ihr sanftes Zubeißen einstellte, hielt ich meinen Kopf ganz still und flüsterte ebenso leise zurück: „Ja, natürlich!“
Sollte ich mich zu ihr umdrehen?
Die fremde Frau auf dem Fährschiff - Teil 5
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Die fremde Frau auf dem Fährschiff - Teil 5
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