Die hässliche Susanne

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Die hässliche Susanne

Die hässliche Susanne

Anita Isiris

Mit den Tagen und Wochen war Susanne zu einer wahrhaften Masturbationsexpertin geworden, sie entdeckte zum Beispiel, wie gut es ihr tat, wenn sie auf dem Bauch liegend masturbierte. Oder seitlich liegend, in Kauerstellung. Später, als sie ihren Genuss steigern wollte, kam sogar die eine oder andere Rübe zu Ehren – aber keine solche Handlung verging, ohne dass sich Susanne nicht anschließend in ihre geliebte Lutherbibel vertieft hätte.
So erwachte, sanft, aber ständig, Susannes Sexualität und Begierde. Sie war ein weibliches, fühlendes Wesen, das wusste sie, aber das wussten die Männer nicht, denen sie Malzbier ausschenkte und denen sie Brezeln verteilte. Sie sahen alle durch sie hindurch, obwohl in der frauenlosen Gesellschaft unaufhörlich das Begehren flammte.

Auch Sebastian und Holger gehörten zu denen, die durch Susanne hindurchschauten. Aber vor allem Sebastian war nach jahrelanger Frauenabstinenz mittlerweile geil bis obenhin, so dass er sich neulich dabei ertappt hatte, wie er Fulda, seinem treuen Pferd, die Flanken gestreichelt hatte, wieder und wieder. Viele Jahrzehnte später sollte ein Maler zur Welt kommen, Hans Erni, ein Künstler, der Parallelen zwischen einem Pferde- und einem Frauenhintern erkannte und es dank dieser Erleuchtung zu Weltruhm brachte.
Aber Sebastian brauchte eine Frau, egal was für eine. Und da entsann er sich der Susanne, der Schankmagd. Als er seinem Freund Holger seine Lust schilderte, weitete dieser entsetzt die Augen. „Das Susannchen“, sagte er, „das Susannchen ist nicht besteigbar. Sie ist eine unberührbare Schankmagd, Junge“.
Sebastian aber ließ sich von seinem Ansinnen nicht abbringen und machte sich auf den Weg zur Schenke. Holger folgte ihm kopfschüttelnd. Auf der Holzbank drängten sich viele Männer, sie hatten einiges zu bereden, was die Ernte anging. Wie jeden Abend, beachtete keiner von ihnen Susanne – sie hetzten sie lediglich in die Küche, auf dass sie den Bierdurst der Männer noch rascher stillte.

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