«Ich bin aber dann trotzdem Herzspezialist geworden.» «Dieser fantasievolle Professor brachte eines Tages die Leder-Moni, wie er sie nannte, in den Hörsaal mit. Zwei grob zusammengeschusterte Lederlappen, an den Seiten mit Draht verstärkt, dienten uns als Übungsobjekt. Da war eine einzige Kommilitonin in der Runde, Aranka hieß sie, glaube ich. Sie hielt den Blick während der ganzen Vorlesung gesenkt und war sich bewusst, dass die ganze Männerrunde sie sich nackt vorstellte, mit weit gespreizten Beinen, auf einem Untersuchungstisch liegend. Aber wir hatten nicht Arankas Vulva vor uns, wir hatten die Leder-Moni von Professor Himmelstein. Mit einer schon fast zärtlichen Geste berührte er die Kunst-Vulva, hielt ein Spekulum hoch und führte es ein. Dann sollten wir seinen Handlungen Folge leisten, was wir mit Wonne taten. Wie weit entfernt aber die Leder-Moni von einer echten weiblichen Vulva war, wurde uns erst in der Klinik bewusst.
Viele von uns hatten noch nie Sex gehabt und waren komplett überfordert von dem, was sich uns darbot. Es waren beileibe nicht nur schöne Vulvae dabei, im Klinikalltag, es galt auch Karzinome, Gonorrhoe und Ausfluss zu begutachten. Aber Herrn Professor Himmelstein und seine Leder-Moni hatten sich tief in unsere Herzen, in unser Bewusstsein eingeprägt.» «Heute ist das anders», erklärte mir Bastian, der sich der Psychosomatik verschrieben hatte. «Heute gibt es virtuelle Nachbildungen von Frauen, die ihren Körper dafür zur Verfügung stellen, virtuelle Realität, und mit einer VR-Brille, die uns alle unsäglich verunstaltet, dürfen Studentinnen und Studenten dann all die Sachen tun, die normalen Bürgerinnen und Bürgern die Schamesröte ins Gesicht treiben würde.» «Heute schämt sich niemand mehr», warf Jürgen, der reife Gynäkologe, ein.
Die Leder-Moni
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