«Ich möchte gar nicht wissen, was sich auf den Displays dieser Welt präsentiert, bis zuhinterst in die letzte Taliban-Community, bis zuhinterst in die hinterste Pfarrei. Heute müssen sich Frauen gar nicht mehr erst ausziehen. Ein Porträt reicht, alles andere erledigt die KI. Die Leute sind sexuell abgestumpft, vor allem die Männer, und das ist wohl der Preis des Ganzen.»
Dann bat uns Jürgen, die Augen zu schließen. Er war auch als medizinischer Hypnotiseur ausgebildet, und niemand verstand es besser als er, Menschen in Trance zu versetzen. Also atmete auch ich tief durch und schloss die Augen. «Von der Leder-Moni zur VR-Brille. Soeben habe ich für mein kommendes, übrigens reich illustriertes, Buch einen Verlag gefunden», strahlte Jürgen Kretschmar. Auch als Rentner habe ich es noch drauf», fügte er trotzig an. «Ein Leben für die Frauen. Aber jetzt, meine Lieben, versenken wir uns ins 17. Jahrhundert, in ein Jahrhundert, in dem das Interesse an Anatomie anhand von Dissektionen einen Höchststand erreicht hatte. Weibliche Organe wie etwa die Ovarien wurden als rudimentäre männliche Hoden betrachtet, die Klitoris erregte breites Interesse, weil man annahm, der weibliche Orgasmus sei für die Fortpflanzung essenziell.»
Alke war eine junge Magd aus Hohenstein und bewirtete bis tief in die Nacht Reisende, aber auch Bauern und Fuhrmänner im Goldenen Kalb, einer kleinen Dorfkneipe, in der im ersten Stockwerk auch Handelsreisende zum Übernachten einquartiert wurden. Es versteht sich von selbst, dass Alke damals einiges über sich ergehen lassen musste, von zotigen Sprüchen bis hin zu unsittlichen Berührungen. Ihr Körper war öffentliches Gut, und nicht selten verschwand sie mit dem einen oder anderen Durchreisenden im Dachstock, wo ihr an die Wäsche gegangen wurde, ohne Respekt und ohne Anstand.
Die Leder-Moni
8 9-15 Minuten 0 Kommentare
Die Leder-Moni
Zugriffe gesamt: 637
Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.