Die Leder-Moni

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Die Leder-Moni

Die Leder-Moni

Anita Isiris

Eine Sekunde lang befürchtete der vorsichtige Arzt, die Kontrolle zu verlieren, denn das weibliche Wesen, vor allem deren Sexus, war für ihn Terra incognita. Hin und wieder hatte er auch von hysterischen Frauen gehört, die nur beruhigt werden konnten, wenn der Heilkundige, oft auch der Dorfpfarrer, ihnen geschlechtlich beiwohnte oder sie auf ein Pferd setzte. Die Frauen, oft halbnackt daherreitend, gaben dem Gaul die Sporen, preschten aus dem Dorf und kamen oft Stunden später erschöpft, aber beruhigt und sogar glücklich zurück, wo sie von ihren Ehemännern, oft leider unsanft, in Empfang genommen wurden.
Als Alke endlich von der Liege rutschte, um ihren Dienst als Magd wieder in Angriff zu nehmen, konnte Ronathan seinen Blick kaum von ihrem großen, runden Hintern abwenden. Wie gerne er doch in ihr verweilt wäre! Aber er beherrschte sich. Alke kam ab diesem Tag noch viele Male zu ihm, und jedes Mal erweiterte der Heilkundige seine Kenntnisse zum weiblichen Becken, diesem Sitz der Seele, diesem Epizentrum der gesamten Welt. Er bescherte Alke Dutzende von Orgasmen, und sie verließ den Behandlungsraum glücklich, entspannt und mit leuchtenden Augen. So erging es immer mehr Frauen, die den Weg zum Heiler suchten. Alke war nicht besonders verschwiegen und erzählte am Dorfbrunnen, wie ihr bei Herrn Doktor Weisslinger geschehen war. Oftmals zornig, weil zuhause vom eigenen Mann oder gar von einem Onkel misshandelt, gedemütigt, mit feuerroten Striemen auf dem Rücken, blauen Flecken an den Brüsten und zwischen den Schenkeln, traurig, niedergeschlagen betraten sie den nach Frühlingsblumen duftenden Behandlungsraum des Heilkundigen. Dieser bot ihnen oft ein Teebaumöl-Fußbad an, behandelte die Striemen mit Ringelblumensalbe und ging manchmal sogar so weit, seinen Patientinnen Zöpfe zu flechten, wissend, dass das Haar ebenfalls zum Sitz der weiblichen Seele gehört. «Geht es dem Haar gut, geht es der ganzen Frau gut», so seine simple, aber so wahre These. Doktor Weisslinger praktizierte immer erfolgreicher, vergaß nie, sich nach dem Öffnen einer Eiterbeule die Hände zu waschen, auf dass er sich zärtlich und doch professionell der einen oder anderen Vut, seinem Lieblingsorgan, der Adnexe oder den empfindlichen Brüsten Schwangerer zuwenden konnte. Und alles war gut.»
Als wir die Augen wieder öffneten, war es dunkler geworden, die Cassata war verlaufen, der Espresso nicht mehr so heiß, wie er es hätte sein sollen. Aber mir als Frau war bewusst geworden, dass das weibliche Becken ein immerwährendes Mysterium bleiben wird. Ich kletterte spät, nach einer ausgiebigen Dusche, ins Bett, spürte mein wallendes Blut und konnte mich nur beruhigen, indem ich ausgiebig masturbierte und mir einen genußvollen Orgasmus schenkte, den ich mit tiefen Atemzügen, an Herrn Doktor Ronathan Weisslinger denkend und ihn, irgendwie, verehrend.

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