Die Lesestunde

Showtime - Teil 2

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Die Lesestunde

Die Lesestunde

Lenard D. Blixen

Nach einer Weile trieb mich meine Neugier an den dunkelroten Vorhang. Wie sehr freute ich mich darauf, Verena wiederzusehen. Ich lunste durch einen schmalen Spalt, aber auf besagtem Sessel lag nur das Schildchen „reserviert“.
Langsam waren alle Plätze belegt, die Gäste nippten an ihren Sekt- und O-Saft-Gläsern. Es waren noch 5 Minuten, bis die Lesung anfing. Verena war immer noch nicht da.
Plötzlich strahlte ein Scheinwerfer direkt auf den Vorhang, das Zeichen, dass mein Verleger auf die Bühne ging, um mich anzukündigen.
Mit Applaus wurde er empfangen, und nach ein paar Worten, mit denen er mich ankündigte, war mein Einsatz gefragt. Mit forschem Schritt und professionellem Lächeln ging ich durch den Vorhang hindurch auf die Bühne. Das hatte ich ja schon ein Dutzend Mal gemacht, aber immer noch hatte ich etwas Lampenfieber.
Auch die Leiterin, Frau Schneider, begrüßte die Gäste. Sie versäumte nicht, zu erwähnen, dass im Anschluss der Lesung die Möglichkeit bestand, ein von mir signiertes Exemplar käuflich zu erwerben.
„Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich freue mich sehr, dass ich heute Abend bei Ihnen sein darf und Ihnen ein paar Sequenzen aus meinem neuen Buch zu Gehör bringen kann!“, begrüßte ich mein Publikum. Applaus. Verenas Platz war immer noch leer. Sei’s drum, ich ging zu meinem Ohrensessel, machte es mir bequem, nahm mein Buch und richtete noch einmal das Licht passend. Das Hauptlicht im Saal wurde heruntergefahren.
In diesem Moment ging die Tür des Saales auf und – Verena kam herein. Frau Schneider bedeutete ihr mit einer Armbewegung, wo der für sie reservierte Platz war.
Wie in Zeitlupe nahm ich das Buch und begann, darin zu blättern, bedacht darauf, an der Nachzüglerin kein besonderes Interesse zu bekunden.
Über den Rand meiner Brille schielte ich zu Verena.

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