Die Lesestunde

Showtime - Teil 2

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Die Lesestunde

Die Lesestunde

Lenard D. Blixen

Während sie mir zuhörte, ließ sie unauffällig ihren Blick schweifen, um zu sehen, was das für Leute waren, die wohl ähnliche Vorlieben hatten wie sie selbst und natürlich auch ich.
Bei den meisten Frauen sah sie ein ganz bestimmtes Glänzen in den Augen. Einigen schien es auch ganz schön warm zu sein. Die Herren machten meist einen auf cool, versuchten, es sich nicht anmerken zu lassen, dass sie das Thema genauso brennend anmachte.
Irgendwie lag eine hocherotisch knisternde Stimmung in der Luft!
Schon interessant, seine Mitmenschen so zu beobachten.
Das Pärchen neben ihr, wohl auch schon in den Vierzigern, verfolgte meine Lesung sehr konzentriert, als er seine rechte Hand auf den Oberschenkel seiner Frau legte und anfing, sie langsam zu streicheln.
Oh, oh, da wird es wohl noch eine heiße Nacht werden!, dachte Verena bei sich.
Aber auch Verena konnte ein gewisses Kribbeln in ihrem Unterleib nicht verleugnen!
Ich hatte nun fast 1 Stunde vorgelesen und noch immer lauschten Frauen und Männer gleichermaßen meinen Worten. Wer meine Bücher kennt – ich hatte nichts ausgelassen! Niemand rückte einen Stuhl, kramte in seiner Handtasche oder daddelte auf seinem Smartphone, faszinierend.
Wie ein Märchenerzähler schloss ich nun ganz bedächtig mein Buch mit den Worten: „So, liebe Liebende, an dieser Stelle möchte ich es für heute bewenden lassen mit der Kostprobe aus meinem neuen Buch. Ich kann mir gut vorstellen, dass es durchaus seinen Reiz haben kann, es selbst zu lesen. – Oder vielleicht lassen Sie es sich auch von Ihrer Frau oder Ihrem Mann vorlesen …
Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit!“
Zunächst ein etwas zögerlicher Applaus, der dann aber in tosenden Beifall überging. Ich erhob mich aus meinem Sessel, machte zwei, drei Schritte zum Publikum und verneigte mich.

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