Die Liebe in Zeiten von Corona

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Die Liebe in Zeiten von Corona

Die Liebe in Zeiten von Corona

Abdullah Quasseem

Man schrieb den Juni des Jahres 2022. Es waren unruhige Zeiten. Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland, einem Land, das bis vor wenigen Jahren noch zu den wirtschaftlich stabilsten Regionen der Welt gezählt wurde, war auf 8,5 Millionen gestiegen. Das Renteneintrittsalter war seit Anfang des Jahres auf 60 Jahre gesenkt worden, was zugleich eine Kürzung aller Renten um 30% nach sich gezogen hatte. Im letzten August hatte die Bundesregierung den Einsatz der Bundeswehr im Inneren beschlossen. Seit Oktober wurde der Beschluss umgesetzt, um die der Bevölkerung wegen der anhaltenden Corona-Pandemie verordneten Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen durchzusetzen. Dieser Schritt war laut Bundeskanzler M. unumgänglich geworden, da sich zuvor immer wieder Gruppen meist jugendlicher Personen in mehreren Großstädten dem Versammlungsverbot widersetzt hatten, was von der Polizei allein nicht mehr zu kontrollieren gewesen war und die Corona-Strategie der Regierung massiv gefährdet hatte. Mehrfach war es zu tumultartigen Auseinandersetzungen zwischen Polizeieinheiten und einem wütenden Mob aus Corona-Widerständlern gekommen, bei dem die Polizeikräfte mehr als einmal zum Rückzug gezwungen worden waren. Die Anwendung von Waffengewalt gegenüber uneinsichtigen Aufständischen als Ultima Ratio war vom Kabinett ausdrücklich legitimiert worden, nachdem in Europa zuvor schon Frankreich, Österreich und Spanien diesen Schritt vollzogen hatten. Verschiedene Klagen dagegen waren vom neuen Bundesverfassungsgericht wegen offensichtlicher rechtlicher Substanzlosigkeit abgewiesen worden. Über 19.000 Personen waren dem neuartigen und tödlichen Virus seit Ausbruch der Seuche, im März 2020, nach Angaben des RKI in Deutschland schon zum Opfer gefallen und dennoch gab es noch immer welche, die den Ernst der Lage nicht begreifen wollten.
Dabei war es in den meisten anderen Ländern, innerhalb und außerhalb Europas, noch deutlich schlimmer. Spanien hatte aufgehört, die Toten zu zählen. Die Zahlen wären zu schockierend gewesen, um sie der Öffentlichkeit noch zumuten zu können. Das Land befand sich in Schockstarre. Das Wirtschaftsleben lag praktisch vollständig darnieder. In Madrid war es mehrfach zu Plünderungen gekommen, nachdem Polizeieinheiten illegale Corona-Partys ausgehoben hatten. Die Ankäufe spanischer Staatsanleihen durch die EBZ im Rahmen des mehrfach erweiterten PAPP-Programms hatten sich auf 835 Milliarden Euro summiert. Nur so war ein Staatsbankrott zu verhindern gewesen.
In den USA herrschten vielerorts bürgerkriegsähnliche Zustände. Die Arbeitslosenquote lag dort bei 22% - offiziell. Millionen in den Städten waren obdachlos geworden. Erst zwei Wochen zuvor konnten gewaltsame Ausschreitungen in San Francisco, in deren Verlauf das Rathaus in Brand gesteckt worden war, nur durch den Einsatz der Nationalgarde beendet werden. Es gab 123 Tote und zahlreiche Verletzte, auch unter den Nationalgardisten. Staatspräsident B., der das Rednerpult in dieser außergewöhnlichen Situation ganz aus eigener Kraft mit dem Rollator erreicht hatte, erklärte dazu in einer Pressekonferenz im Weißen Haus, dass sich die großartige amerikanische Demokratie nie dem Straßenterror solcher von Moskau finanzierter Gegner eines freien Marktes beugen werde. „Diese tapfere Nation freier Bürger wird niemals von Commies regiert werden. Niemals!“, rief er den Zuhörern mit brüchiger Stimme entgegen. Der daraufhin hinter seiner Maske folgende heftige Hustenanfall, ging vollständig im frenetischen Beifall aller Anwesenden unter.
In Paris errichteten Aufständische Straßenbarrikaden, fackelten Autos ab und verbrannten Fotos des Premierministers. Die Ordnungskräfte griffen dort rigoros durch.
In Neapel tobte seit Monaten ein unerbittlicher Straßenkampf zwischen Regierungsgegnern und Staatsmacht, dem die Obrigkeit einfach nicht Herr werden konnte. Die Innenstadt glich nachts, trotz landesweiter Ausgangssperre, oft einem Schlachtfeld. Zahlreiche öffentliche Gebäude waren durch Brandanschläge schwer in Mitleidenschaft gezogen worden.
Die Selbstmordrate in Indien war in den vergangenen zwei Jahren um das Zweieinhalbfache gestiegen, was Experten auf die zunehmend prekären Lebensumstände der ärmeren Bevölkerungsschichten zurückführten. Mehr als 80 Millionen Inder verfügten nach amtlichen Angaben über weniger als 15 Dollar im Monat und waren demnach unmittelbar vom Hungertod bedroht.
Auch in Berlin, Leipzig und sogar in Stuttgart flogen gelegentlich Pflastersteine und brannten Autos, was von den Mitgliedern aller im Bundestag vertretenen Parteien jeweils ausnahmslos scharf verurteilt wurde. Regierungssprecher S. hatte in seiner jüngsten Presseerklärung deutlich gemacht, dass „in einer modernen, marktkonformen Demokratie wie der unseren“ gewaltbereite Störenfriede das Recht auf Schutz durch die Gesellschaft verwirkt und mit allen Konsequenzen ihres unannehmbaren, antiliberalen Verhaltens zu rechnen hätten. Darin wusste die Regierung alle demokratischen Kräfte der Gesellschaft hinter sich. In einem gemeinsamen Kommuniqué hatten die beiden großen, christlichen Konfessionen den Waffengebrauch seitens der Staatsmacht gerechtfertigt. „Wer zum Schwert greift, soll durch das Schwert umkommen!“, so der darin schlüssig zum Ausdruck gebrachte Leitgedanke.

*Nico hatte bei all den Veränderungen, die die neue Normalität mit sich brachte, noch Glück gehabt. Seit acht Monaten war er in Kurzarbeit, bekam jetzt wenigstens noch 50% seiner früheren Bezüge. Bei den massiv gestiegenen Kosten gerade genug, um die Miete seiner, in einem Wohnblock mit 40 Parteien gelegenen, Zwei-Zimmer-Wohnung und das Nötigste für den Lebensunterhalt bezahlen zu können. Mehr wäre ohnehin nicht möglich gewesen. Wo hätte er das Geld ausgeben sollen? Reisen war schon seit über einem Jahr nicht mehr möglich, ausgehen oder auswärts essen ebenso wenig. Jeden Donnerstag zwischen 8.00 und 11.00 Uhr durfte er raus, um seine Wocheneinkäufe zu erledigen. Darüber hinaus war einkaufen nur online möglich. Nicht von ungefähr war das Vermögen des Gründers von Emerson, der weltgrößten Online-Handelsplattform, in den letzten zweieinhalb Jahren auf stattliche 427 Milliarden US-Dollar angewachsen. Darin waren die 12 Millionen aller, auf 21 Millionen begrenzter Hitcoins, die er unbestätigten Gerüchten zufolge bereits an sich gebracht haben sollte, noch nicht einmal vollständig enthalten. Es war allerdings kein Geheimnis, dass er mehrere große Ländereien besaß. Darunter eine Insel in der Karibik und ein 120 Quadratkilometer großes Areal in Colorado mit eigenem Ski Park und Jagdschloss im Stil des französischen Rokoko, wo er und seine Gäste sich frei und ohne Maske bewegen konnten.

Entweder samstags zwischen 12.00 und 15.00 Uhr oder montags zwischen 15.00 und 18.00 Uhr konnte Nico ein wöchentliches Zeitfenster für Individual-Freizeitaktivitäten im Freien nutzen, aber auch dazu durfte er sein Viertel, außerhalb streng festgelegter Grenzen, nicht verlassen. Das entsprechende Ausgangsvisum hatte man immer, auf dem aktuellen Stand ausgefüllt, mitzuführen. Sonst drohten empfindliche Strafen. Wegen der Abstandsregeln begegnete man Anderen nur auf sichere Distanz. Die Gefahr unkontrollierbarer Kontakte war einfach zu groß. Täglich wurden die zu beachtenden Anweisungen Mantra artig auf allen Medienkanälen wiederholt. Wann immer ihm sein Engagement für seinen Hauptauftraggeber, Whitesand, dazu die Zeit ließ, rief auch der Bundeskanzler via Twitter die Bevölkerung in eindringlichen Appellen auf, Ruhe zu bewahren, unnötige Kontakte unter allen Umständen zu vermeiden und, wenn ein Verlassen der eigenen vier Wände schon unumgänglich schien, wenigstens stets eine zertifizierte Maske zu tragen und die vorgeschriebenen fünf Meter Mindestabstand zu anderen Individuen einzuhalten, um in einem für jeden Demokraten verpflichtenden Akt der Solidarität einen Beitrag zu leisten, der stets drohenden Überlastung der Kliniken entgegenzuwirken.
Sogar die Präsidentin der EU-Kommission, Leyla von U., die ansonsten selten viel zu sagen hatte (auch weil sie von ihrem Amtsvorgänger und Mentor – einem bankenaffinen Landjunker von eher fragwürdiger moralischer Integrität – strikt angewiesen war, Interna der Kommission bloß nicht vor der Öffentlichkeit zu erörtern), hatte unlängst in einem vielbeachteten, europaweit ausgestrahlten Video-Beitrag allen vorgeführt, wie man sich sachgerecht eine FFP2-Maske aufsetzt und dabei noch ihren offiziellen Lieblingssong, Beethovens „Ode an die Freude“, summen konnte (privat stand sie aber voll auf Helene Fischer). Das hatte Millionen EU-Bürger tief berührt, auch wenn dabei das berühmte, so herzerwärmende Dauerlächeln der Kommissionspräsidentin zwangsläufig hinter der Gesichtsbedeckung verschwinden musste.

Nico hielt sich an die Vorschriften. Eines Tages, wenn endlich ein zuverlässig wirksamer Impfstoff zur Verfügung stehen würde, der mehr konnte, als nur einen kurzen Höhenflug an den Börsen auszulösen, wären diese Zeiten doch wieder vorbei und er lebte mit der Hoffnung, dann auch wieder in seinen alten Job als Autoverkäufer zurückkehren zu können, wenn Reisen mit dem privaten PKW wieder erlaubt sein würden.
Sein Freund Jan, früher in leitender Stellung bei einem Eventveranstalter, musste sich jetzt als „selbständiger“ Fahrer für Emerson zu Billigsthonoraren durchschlagen. Nicht einfach, wenn das volle Geschäftsrisiko auf ihm lastete und Emerson Zahlungen erst nach vollständiger Klärung der Reklamationsfreiheit leistete, was bei der hohen Auftragslast des Unternehmens dauern konnte.
Einer seiner Ex-Kunden, ein ehemals erfolgreicher, selbständiger Caterer, war froh, wenigstens einen Job als Servicekraft in einer Krankenhauskantine zu einem geringfügig über Sozialhilfeniveau liegenden Lohn ergattert zu haben, um überhaupt noch die Kredite einigermaßen bedienen zu können, die sich bei ihm während des dauerhaft verlängerten Lockdowns angehäuft hatten, bevor er schließlich gezwungen war, endgültig Insolvenz anzumelden.
Wie viele andere waren zu Hartz-IV-Empfängern geworden und konnten selbst dann noch froh sein, wenn ihre Bezüge nicht gekürzt wurden, etwa weil sie aus Fahrlässigkeit oder Unkenntnis der gerade geltenden Bestimmungen gegen die strengen Maskenvorschriften verstoßen hatten? Die Bundesregierung hatte das erst vor wenigen Jahren verabschiedete Mindestlohngesetz wieder gekippt. Innenminister K. von den bürgerlich reaktionären Oliven, ein abgebrühter, weißhaariger Politprofi mit Harmloser-Opa-Image und vor der Regierungsbeteiligung seiner Partei als gleichstarker Partner der wirtschaftsdemokratischen Union, WDU, schon als Ministerpräsident eines Bundeslandes in Erscheinung getreten, hatte das in einem Tagesshow-Interview so kommentiert: „Wir müssen diesen Menschen doch eine Perspektive bieten. Wenn wir jetzt mit Gewalt an einem von den Umständen überholten Gesetz festhalten, riskieren wir, die Leute in die Obdachlosigkeit zu schicken, wenn sie einfach viel zu teuer sind für die Wirtschaft. Also, das wäre ja auch nicht gut.“ Das wurde vom überwiegenden Teil der Bevölkerung stillschweigend akzeptiert.
Sein Einkommen reichte zum Glück noch. Nico plagten andere Sorgen. Er war Single und zuhause fiel ihm einfach die Decke auf den Kopf. Schon sehr lange. Sein einziger Kontakt nach draußen war seit Monaten das Internet. Wenigstens das konnte man ohne gravierende Einschränkungen noch nutzen – sofern man sich an die Regeln hielt. Ja es wurde allenthalben als das Kommunikationsmedium dieser Tage gepriesen. Allenfalls rechte Verschwörungsportale waren in letzter Zeit gesperrt worden. Aber dafür interessierte er sich ohnehin nicht. Er wollte keinen Ärger.

Was er am schmerzlichsten vermisste, war menschliche Nähe und Zuwendung. Zuweilen auch ein paar Streicheleinheiten und - natürlich - Sex.
Die Pornoseiten, mit deren Hilfe er sich Befriedigung verschaffte, wurden zusehends schaler. Manchmal bekam er beim Wichsen nicht mal mehr richtig einen hoch. Das machte ihm Sorgen. Schließlich war er noch nicht einmal Vierzig. Würde er noch seinen Mann stehen können, wenn es – irgendwann – wieder wirklich darauf ankäme? Live-Web-Cams, mit denen er es versucht hatte, hatten ihm nur für kurze Zeit einen Kick verschaffen können. Den Mädchen ging es doch nur ums Geld. Es war auf Dauer unbefriedigend, einfach nicht der wahre Jakob, trostlos.

Das Einzige, was ihm sein behördlich verordnetes Einsiedlerdasein noch einigermaßen erträglich machte, war sein Balkon. Seine Wohnung lag im dritten Stock und der Balkon, fünf mal zwei Meter groß, war nach Westen ausgerichtet. Nachmittags und abends lag er in der vollen Sonne. Hier konnte er an warmen Tagen noch ein wenig das Gefühl von Sommer und Freiheit genießen. Er hatte ihn üppig mit Pflanzen dekoriert, ein richtiger kleiner Dschungel. Oft ließ er sich an heißen Sommernachmittagen stundenlang, nackt in seinem Liegesessel die Sonne auf den Pelz brennen und stand nur auf, um sich ein frisches Bier zu holen oder sich, wenn es ihn ankam, drinnen einen runterzuholen. Sonst störte es ihn nicht, dass ihn die Bewohner der Wohnungen im vierten und fünften Stock des etwas schräg versetzt gegenüberliegenden Blocks sehen konnten. Sollten sie seinetwegen gaffen, wenn sie’s nicht lassen konnten. Soviel Freiheit durfte man sich auch in diesen Zeiten wohl noch gönnen. Außerdem waren die anderen Wohnungen mindestens dreißig Meter entfernt. Zu weit, um Einzelheiten erkennen zu können.
An einem dieser Nachmittage, vor zwei Wochen, hatte allerdings eine eigene interessante Beobachtung seine Neugier erregt. Er stand gegen die Balkonbrüstung mit den Blumenkästen gelehnt da und guckte sich ein bisschen in der Gegend um. Viel gab es nicht zu sehen. Die Grünflächen zwischen den Gebäuden waren fast menschenleer. Nur ein älteres, bereits ergrautes Paar, beide mit Maske, ging gemächlich, schlurfend zwischen den Bäumen umher. Es war wohl gerade ihre Ausgangszeit. Der Anblick fesselte ihn nicht lange und so streifte sein Blick gelangweilt über die schräg gegenüberliegende Fassade, als er dort, auf dem zweiten Balkon von rechts, auf gleicher Höhe wie sein eigener, eine Frau entdeckte, die ihm bisher noch nie aufgefallen war. Sie saß, ihm zugewandt, an einem Tisch vor einem Laptop, in den sie, offensichtlich konzentriert, etwas hineintippte. Über die Balkonbrüstung konnte er nur ihren Oberkörper sehen. Sie mochte ungefähr in seinem Alter sein, etwa Mitte dreißig, vielleicht auch etwas jünger, trug eine Sonnenbrille, war blond und, wie er selbst, nackt – zumindest oben herum. Ihre Brüste, soweit auf die Entfernung zu erkennen, waren ganz nett, nicht riesig, hingen ein wenig schlauchförmig nach unten, aber nicht zu sehr, mit ausgeprägten Brustwarzen und machten ansonsten einen noch recht knackigen Eindruck. Auch ihr Gesicht und die übrige Figur schienen ganz hübsch zu sein. Nico gab sich gar nicht erst die Mühe, zu verbergen, dass er sie eingehend musterte. Mit flüchtigen Blicken zur Seite und nach oben prüfte er, ob die unbekleidete Schöne noch weitere Beobachter auf sich gezogen hatte, konnte aber niemanden erkennen. Es wäre allerdings auch schwierig gewesen, hätte jemand auf einem anderen der zurückspringenden Balkone gestanden wie er gerade.
Sie war seit Monaten die erste echte Frau, deren nackten Körper er zu Gesicht bekam. Nico versuchte, sich den Rest ihres Körpers vorzustellen. Hatte sie unten rum was an? War sie vielleicht ganz nackt, so wie er? Ihre Brüste waren geil. Unversehens bekam er einen Ständer. Hinter der Balkonbrüstung konnte es niemand sehen. Ohne jegliches Zutun wurde er hart wie schon lange nicht mehr. Gott sei Dank! Seine männlichen Triebe funktionierten noch. Sie tippte weiter, schien ihn nicht zu bemerken. Er fixierte sie ununterbrochen. Sein Hammer spannte so, dass es beinahe schmerzte.
Für einen kurzen Moment sah sie von ihrer Arbeit auf, bemerkte ihn, ihr Blick traf seinen. Langsam, ohne jedes Anzeichen von Nervosität setzte sie die Sonnenbrille ab, begann nachdenklich am Ende eines Bügels zu knabbern, sah dabei ungerührt zu ihm hinüber, überlegte wohl, was sie von der Situation halten sollte. Soweit auf die Entfernung zu sagen war, konnte er in ihrer Reaktion keinerlei Ausdruck von Empörung erkennen. Er sah immer noch festen Blickes zu ihr hinüber, machte kein Hehl daraus, dass sie ihn interessierte.
Sie lehnte sich in ihrem Sessel zurück, nahm die Arme herunter, ihre Schultern zurück, neigte den Kopf etwas schief, blickte ihn unverwandt an, schien ihn geradezu aufzufordern, sie weiter zu betrachten.
Nico hielt den Atem an. In seinem prall geschwollenen Schwanz pochte es gnadenlos. Er setzte ein Lächeln auf, war nicht sicher, ob sie es erkennen konnte und winkte ihr daher mit der linken Hand zaghaft zu. Es sah aus, als würde sie ihr hübsches Gesicht zu einer kleinen, amüsierten Schnute verziehen. Sie holte tief Luft, streckte ihren Brustkorb vor, schien seine bewundernden Blicke richtiggehend zu genießen. Dann winkte sie kurz zurück.
Nico konnte es kaum glauben. Unverhofft entwickelte sich gerade ein heißer Balkonflirt. Die neuentdeckte Nachbarin klappte ihren Laptop zu, warf kurz ihren Kopf in den Nacken und sah wieder zu ihm hinüber bevor sie aufstand, ihren Laptop in die Hand nahm und in die Wohnung hinein ging. Erst als sie über die Schwelle der Balkontür schritt, konnte er einen Teil ihrer unteren Körperpartie erkennen. Sie trug ein knappes, sonnengelbes Höschen, ein Bikinihöschen vermutlich und hatte einen ziemlich massiven Hintern. Viel massiger als ihr schlanker Oberkörper hatte vermuten lassen. ‚Strammer Pferdearsch‘, dachte er, aber nicht unattraktiv – ganz und gar nicht. Man hätte darin versinken können. Bildete er sich nur etwas ein oder blieb sie tatsächlich etwas länger als nötig im Türrahmen stehen, um ihm Gelegenheit zu geben, ihre körperlichen Vorzüge ausgiebig in Augenschein zu nehmen?
Eine Weile wartete er noch, aber entgegen seinen Hoffnungen, erschien sie nicht mehr. Es bedurfte nichts weiter, als sich ihrer weiblichen Reize zu erinnern, ihres auffordernden Lächelns, ihrer geilen Milchtüten, ihres fetten, knubbeligen Hinterns, um schon nach wenigen Augenblicken satt zu kommen.
Den Rest des Nachmittags ließ sie sich zu seiner Enttäuschung nicht mehr sehen. Doch ließ ihn die Begegnung nicht mehr los.

*In den folgenden Tagen war das Wetter eher kühl und regnerisch. Trotzdem hielt er ständig nach ihr Ausschau, sah sie aber nur ein einziges Mal, ganz kurz. Sie sah herüber, bemerkte ihn, hob kurz die Hand zum Gruß, bevor sie wieder drinnen verschwand.
Nico vermisste sie, wenn sie nicht erschien. Sie zu sehen, selbst flüchtig, zu erkennen, dass sie ihn beachtete, mit Wohlwollen, ihn grüßte, machte die zermürbende Einsamkeit ein wenig erträglicher.
Dann deutet sich ein Wetterwechsel an. Am Morgen war es noch trüb gewesen aber gegen Mittag klarte der Himmel wieder auf. Es wurde spürbar wärmer. Bevor ihr Balkon wieder im Schatten liegen würde, zeigte sie sich wieder. Und wie ein paar Tage zuvor hatte sie wieder diesen sonnengelben Bikini an, nur jetzt mit Oberteil. Vielleicht war ihr seine unverhohlene Aufmerksamkeit doch unangenehm. Mit Sicherheit war ihr klar, dass er sich an ihrem Anblick aufgeilte. Wie sollte es auch anders sein in dieser Ausnahmesituation?
Auch jetzt wusste sie sofort, dass er sie beobachtete. Ein kurzer Blick zu ihm hinüber, wie zufällig, hatte genügt. Doch sie zeigte keinerlei Rührung, weder ablehnend noch zustimmend, setzte sich in ihren Sessel, legte lässig die Füße auf den Tisch und las in dem Buch, das sie mit herausgebracht hatte.
Ihm war vollkommen bewusst, wie unangebracht es war, sie ständig zu beobachten. Er war doch kein Spanner. Aber er war ausgebrannt, spürte überdeutlich, wie sehr er sich nach körperlicher Nähe sehnte, sexuell sprichwörtlich auf dem Zahnfleisch daher kroch. Ein paarmal versucht er sich abzulenken, auch etwas zu lesen, sich mit den Pflanzen zu beschäftigen. Aber es misslang. Allein von dem Gedanken an ihre Anwesenheit hatte er fast eine Dauererektion. Immer wieder musste er zu ihr hinübersehen.
Irgendwann reagierte sie darauf. Wieder trafen sich ihre Blicke, wieder, wie beim ersten Mal, schien sie zu überlegen, was sie davon halten sollte, ließ ihre Lektüre sinken, legte sie schließlich auf den Tisch. Auch mit bedecktem Busen machte ihn ihr Anblick ganz kirre. Sie war so schön. Eine ganze Weile hielt sie seinem Blick stand. Er konnte sich nicht von ihr abwenden, hätte sich gewünscht, sie näher, deutlicher zu sehen. Soweit erkennbar regte sich in ihrem Gesicht keine Miene. Sie sah nur still, abwartend zu ihm hinüber. Ihm war, als seien ihre Blicke wie durch einen Strahl verbunden. Dann, nach endlosen Sekunden, richtete sie sich etwas auf, beugte sich nach vorne, griff mit beiden Händen nach hinten, hinter ihren Rücken, legte ihr Oberteil ab und ließ es zu Boden gleiten. Es bestand jetzt kein Zweifel mehr: Sie wollte, dass er sie ansah. Sie drehte ihren Oberkörper ein wenig nach allen Seiten, verschränkte ihre Hände hinter dem Kopf, präsentierte sich ihm regelrecht und wurde zusehends unruhiger dabei. In Nicos Lenden kochte es. Fast wäre er gekommen.
Schatten senkte sich über ihren Balkon. Sie stand auf, ging langsam, schlendernd in Richtung ihrer Balkontür, warf ihm einen halb scheuen Blick über die Schulter zu. Diesmal ganz sicher beabsichtigt, verharrte sie in der Tür, hatte ihm wieder ihre Rückseite zugewandt, zog langsam ein Stück weit ihr Bikinihöschen herunter, nicht ganz, nur ein Stückchen, streckte ihm ihren Hintern entgegen, so dass er mehr von ihren ausladenden Pobacken sehen konnte, und verschwand im Dunkel der Wohnung.
Nico hielt es nicht mehr länger aus. Er ging rein, setzte sich aufs Sofa und war sicher, dass sie es sich, genau wie er, gerade selbst machte. Er malte sich aus, in ihrem Zimmer hinter ihr zu knien, ihr langsam und genüsslich das Bikinihöschen herunterzuziehen, jeden Zentimeter ihres breiten, fleischigen Pferdehinterns mit Küssen zu bedecken, ihn überall abzuknutschen, sein Gesicht zwischen ihre dicken, kräftigen Schenkel zu zwängen, ihre Möse - ganz feucht vor Erwartung - zu küssen, hingebungsvoll zu liebkosen, sie mit der Zunge allmählich zu öffnen, ihren süßen Saft zu schmecken, ihre Klitoris von allen Seiten zu lecken, sie dazu zu bringen, vor angestauter Lust laut aufzustöhnen, bis sie gemeinsam niedersanken, er sich an ihrer Zuckerpflaume festnuckelte, sie ihr ausladendes Becken immer unkontrollierter über ihm schwang, von Geilheit entfesselt auf seinem Gesicht ritt, er nicht von ihr ablassen würde, sie leckte, schleckte, seine Zunge in ihr wühlte, ihre Muschi schlürfte, ihre Klitoris kitzelte, bis sie, von Lustschreien gepeitscht, erschauernd auf ihm zusammensank. Schon seit einer Ewigkeit hatte er seine Lust nicht mehr so tief empfunden und das Gefühl, beim Orgasmus förmlich zu explodieren.

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