Die Mädchen von St. Bernadette

Das Ende

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Die Mädchen von St. Bernadette

Die Mädchen von St. Bernadette

Jürgen Lill

Umso mehr war ihnen jetzt klar, dass sie ihr Versprechen ihm gegenüber einhalten mussten und auch würden! Sie sprachen lange Zeit kein Wort miteinander. Jede von ihnen hing ihren eigenen Gedanken nach, auch wenn es bei allen Dreien die gleichen waren. „Habt ihr das gesehen?“ fragte Marijana, als sie auf ihrer Lieblingsparkbank bei dem großen Brunnen saßen. „Er hat geweint.“ sagte die Indianerin und konnte nichts dagegen tun, dass ihr wieder dicke Tränen aus den Augen schossen. Lian, die Chinesin, nahm Victoria oder Shadowcat, wie ihre beiden Freundinnen sie oft nannten, in ihre Arme und ließ auch ihren Tränen freien Lauf.

„Ihr seid unmöglich“, sagte Marijana, umarmte die beiden und weinte mit ihnen.
Die drei waren wirklich nicht so, wie andere Mädchen ihres Alters. Sie lebten alle drei schon seit frühester Kindheit miteinander im städtischen Waisenhaus. Als Marijana mit vier Jahren adoptiert werden sollte, schrie und tobte und weinte sie so lange, bis ihre Pflegeeltern sie wieder zurück ins Heim, und zurück zu Lian und Victoria brachten und von einer Adoption wieder Abstand nahmen. Marijana, Lian und Victoria hatten sich nur selbst. Sie waren sich seit sie denken konnten ihre einzige Familie. Die Heimleitung und wer immer dort im Laufe der Jahre für sie zuständig war, war ihnen niemals Familie. Ein paarmal hatte es Versuche gegeben, sie zu trennen.

Aber je älter die Mädchen wurden, je mehr sie sich bewusst wurden, wie wichtig sie füreinander waren, weil sie sonst niemand auf dieser Welt hatten, umso mehr kämpften sie für ihre Gemeinschaft. Und irgendwann hatte es auch die Heimleitung eingesehen, dass die drei zusammengehörten und dass sie im wahrsten Sinne des Wortes sterben würden, wenn man sie trennte. Vielleicht lag es daran, dass sie im Waisenhaus lebten, dass sie sonst keine Freundinnen und Freunde hatten.

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