Ich musste es allerdings so hinbekommen, dass ich nicht als die große Petze dastand. Auf keinen Fall durfte es auf einen Vertrauensbruch hinauslaufen.
Ich hielt das für einen guten Zeitpunkt dafür, ihr etwas zurückzugeben, was sie - mit Ausnahme von Falk - bestimmt lange nicht bekommen hatte. Eine innige Umarmung. Eine ehrlich gemeinte, die von Herzen kam.
Das tat ich dann auch. Beugte mich leicht zu ihr rüber und zog sie fest in meine Arme. Lange hielt ich sie so an mich gedrückt. Keine Abwehr ihrerseits. Im Gegenteil hatte ich das Gefühl, dass es ihr wirklich gut tat, sie sich sogar noch fester an mich drückte, als ich sie zog. Sie genoss den Moment, der ihr wohl viel mehr gab, als ich vorher gedacht hatte. Ein Grund mehr für mich, sie so lange festzuhalten, wie sie es zuließ.
„Du hast ein gutes Herz Josie. Ich war dumm zu glauben, du wolltest dich zwischen uns drängen. Ich gebe zu, zuerst hielt ich dich auch für eine von denen, die nur an Chris‘ Geld wollten. Es tut mir leid, dass ich dir das unterstellt habe, und es ist gut, dass ich mich so geirrt habe.“
„Chris‘ Geld ist mir völlig egal! Aus solchen Dingen mach ich mir nicht viel, auch wenn das sicher ganz angenehm ist, nicht jeden Euro umdrehen zu müssen. Aber kann ich dir ein Geheimnis anvertrauen Franzi?“
„Natürlich! Du kannst immer mit mir reden.“
„Danke! Immer wenn ich durch das große Tor bei der Villa fahre, ist es, als wenn ich in ein Gefängnis fahre, oder eben hinaus. Es ist, wie wenn man eine Zugbrücke an einer Burg herunterlässt. Dieses Tor entscheidet über Freiheit oder Gefangenschaft. Es vermittelt ein unbeschreibliches Gefühl von Sicherheit, aber es sperrt eben auch ein. Vor allem wegen der Zugangsberechtigungen. Das ganze Gelände ist groß genug, um keine räumliche Enge entstehen zu lassen, doch ist es nicht so, dass es einen trotzdem einengt? Mal ehrlich … ich bin noch nicht so oft dadurch gefahren, wie muss es da erst euch gehen. Vor allem dir Franzi. Chris hat ja noch sein Büro, aber du …?“
„Du sprichst mir aus der Seele, Josie. Es ist so wie eine eigene Welt, abgekapselt aus dem Großen. Eine Enklave. Man vereinsamt dort, wenn man nicht aufpasst. Ich sehe höchstens den Postbooten, den Lebensmittellieferanten und/oder den Gärtner. Das ist bestimmt auch der Grund, warum deine Vorgängerinnen nach so kurzer Zeit aufgegeben haben. Aber wohl auch, weil Chris sie eben nicht mit Gold, Schmuck und teuren Klamotten behängt hat.“
„Dann ist es noch wichtiger, dass wir Frauen zusammenhalten!“
Das Boot fuhr einen großen Bogen, der Motor wurde ganz leise, drehte dann aber für einen kurzen Moment wieder auf. Dabei fühlte es sich an, als könne so ein Boot auf dem Wasser bremsen. Neben uns tauchte der Steg auf, von dem wir vorhin aufgebrochen waren. Chris kam von oben herunter, sprang über den Bootsrand und vertäute mit geübten Handgriffen den Bootskörper. Dann kam er wieder zu uns an Deck, legte seine Hände um meine Hüfte und küsste mich.
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