Die Möglichkeit des Abends

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Die Möglichkeit des Abends

Die Möglichkeit des Abends

Leni Trattner

Nicht gleich mit der Tür ins Haus zu fallen bzw. nicht gleich mit den Fingern in die Vagina.
In meiner Vorstellung setzte er sich neben mich aufs Bett. Er trug noch all seine Kleidung, aber ich konnte sehen, wie ihm heiß wurde. Wie sich leichte Schweißperlen auf seinem Gesicht abzeichneten. Er saß nah bei mir. So nah, dass ich seine Wärme spüren konnte, dass ich jedes Detail seines Gesichts sehen konnte. Jedes Blitzen in seinen grünen Augen, jedes teuflische Funkeln, das zeigte, was er gerade dachte. Aber doch nicht so nahe, dass er mich berührt hätte. Denn in diesem Moment war er es, der sich nicht entscheiden konnte, ob er lieber Nähe oder doch noch einen Hauch sicherer Distanz wollte. Denn er war in die Rolle des Zuschauers gedrängt worden, durfte nicht mitmachen. Und er wusste selbst, dass er sich am besten davor bewahren könnte, diese Grenze nicht zu überschreiten, wenn er auch eine gewisse körperliche Grenze nicht überschreiten würde.
Ich nahm noch einen Löffel Dessert, langsam, ließ ihn auf der Zunge zergehen, während meine andere Hand weiter nach oben wanderte. Er schmeckte fast noch besser. Diese angenehme Süße mit der leichten Bitterkeit des Kaffees. Und diese Cremigkeit. Einfach so, wie man es nur bei einem italienischen Tiramisu bekommt. Und von einer Perfektion, von der man in Wien nur träumen kann.
Meine andere Hand streichelte weiterhin meinen Oberschenkel, tastete sich langsam zur Innenseite vor. Ich ließ mir Zeit, denn ich hatte ja auch Zeit. Stellte mir weiterhin vor, wie Simone ganz nahe bei mir saß. Wie er mich ansehen würde. Ohne ein Wort zu sagen.  Erregt. Ein wenig ungeduldig und gereizt, weil er wusste, dass er nicht mitmachen durfte. Und doch einfach nur geil-angepasst, weil er hier sein durfte. Weil er mich in diesem intimen Moment beobachten konnte.

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