Die Möglichkeit des Abends

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Die Möglichkeit des Abends

Die Möglichkeit des Abends

Leni Trattner

Ich blieb sitzen, meine Hand noch immer zwischen meinen Beinen, mein Atem langsam wieder ruhiger werdend.
Ja, ich saß allein im Bett, das Tiramisu noch immer neben mir stehend.
Ich nahm noch einen Löffel von dem Dessert, fast gedankenverloren, und lächelte leicht. So fühlte sich ein perfekter Abend im Urlaub an. Und so fühlte es sich an, begehrenswert zu sein. Zumindest hier und heute für mich. Ja, so war es einfach genau richtig.
Ich blieb noch eine Weile so sitzen, das Dessert in der einen Hand, die andere Hand lag immer noch auf meinem nackten Oberschenkel. Da war wieder diese Ruhe danach. Diese, die es nur ganz selten gibt. Die keine Leere, keine Abwesenheit von etwas ist, sondern einfach eine Klarheit. Als hätten sich alle Gedanken und Gefühle plötzlich sortiert und man hätte für ein paar Momente einen ganz unverhangenen Blick auf alles.
Ich stellte die Dessertschachtel auf den Nachttisch, stand auf, ging zum Fenster und schaute auf die Straße. Mailand bewegte sich immer noch, als wäre nichts geschehen. Okay, es war ja auch nicht wirklich etwas geschehen. Und gerade deshalb war es gut.
Ich fragte mich kurz, ob Simone noch irgendwo wartete. Und ob er überhaupt länger als wenige Minuten gewartet hatte. Ob er sich geärgert hatte oder ob er einfach mit den Schultern gezuckt und weitergezogen war, mit dieser mühelosen Selbstverständlichkeit, die ich ihm zutraute – und die es ihm auch ermöglichen würde, sogleich eine andere Frau zu finden, die er zum Abendessen ausführen könnte, wenn er dies denn wollte.
Der Gedanke hatte nichts Bitteres. Im Gegenteil. Ich hoffte wirklich, dass er ebenfalls einen schönen Abend hatte. War aber genauso froh, dass nicht ich es war, die diesen mit ihm verbrachte.
Ich stellte mir vor, wie er morgen wieder in diesem Café stehen würde. Vielleicht am selben Platz. Vielleicht mit derselben Haltung. Und, ein paar Schritte entfernt, mit einer Tasse in der Hand, eine andere Frau. Vielleicht würde er sie ansehen. Vielleicht würde er wieder sein Spiel spielen. Vielleicht auch nicht. Aber ganz sicher würde dies nichts mit mir zu tun haben.
Ich lächelte.
Denn es war nicht wichtig.
Wichtig war nur, dass ich hier war und mich glücklich und begehrenswert fühlte wie schon lange nicht mehr.
Ich stand auf, betrachtete mich noch einmal im Spiegel. In Dessous, das Gesicht leicht gerötet, die Haare nicht mehr ganz so perfekt sitzend wie noch zuvor.
„Geht doch“, sagte ich leise.
Am nächsten Morgen würde ich wieder durch die Straßen streifen. Würde wieder in ein Café gehen. Vielleicht würde ich sogar wieder flirten. Doch ganz sicher würde ich auf mich hören – denn das habe ich mittlerweile gelernt. Und darauf bin ich stolz.

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