Nicht still, denn all die Stimmen, die Geräusche der Tassen und der Kaffeemaschine, die waren natürlich da, doch irgendwie wirkte nichts davon aufdringlich.
Touristen habe ich keine gesehen. Abgesehen von mir, selbstverständlich. Dafür eine Gesellschaft, die man in Wien mit einem gewissen Unterton als halbseiden bezeichnen würde. Nicht abwertend – eher anerkennend. Und mit einem kleinen Fragezeichen dahinter.
Die Frauen waren wunderschön. Also nicht im Sinne von glatt oder austauschbar, sondern einzigartig und charismatisch. Kleider, die saßen, und eine Attitüde, die zeigte, dass sie es gewohnt waren, Mode zu tragen. Und auch Augen und Lippen, die nicht zufällig so aussahen, aber nicht nach «zu viel» aussahen, sondern nach einem selbstbewussten «gerade richtig». Ich habe mich dabei ertappt, länger hinzusehen, als es höflich gewesen wäre. Nicht aus Neid – dafür habe ich schon zu lange Frieden mit meinem Körper geschlossen. Sondern eher aus Neugier. Und ja, auch aus einem leisen Vergleichen, das sich automatisch einstellt.
Die Männer standen ihnen in nichts nach. Anzüge in Farben, die in Wien sofort nach Karneval aussehen würden und hier eine Selbstverständlichkeit hatten, die mich beeindruckte. Stoffe, deren Qualität auch das ungeübte Auge erkennen konnte, und Schultern, die nicht zufällig so breit wirkten. Offene Hemden, genau weit genug geöffnet, um etwas zu zeigen, ohne geschmacklos zu wirken.
Hinter der Theke arbeiteten zwei junge Männer. Der eine bewegte sich nicht von der Maschine weg, tat keinen einzigen Schritt. Seine Gesten waren präzise, fast sparsam. Er trug den klassischen Kellneranzug, so makellos, dass er beinahe wie der Paradekellner wirkte – wäre da nicht dieses kleine Detail gewesen: ein Tattoo, das knapp über seinem Kragen hervorblitzte.
Die Möglichkeit des Abends
20 14-22 Minuten 1 Kommentar
Die Möglichkeit des Abends
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Ach Leni ....
schreibt Stayhungry