Nur ein Stück, ein kleiner Teil eines Tribals, das sich unter dem Stoff fortsetzte.
Es genügte.
Der andere war in Bewegung, nahm Bestellungen auf, verteilte sie, sprach ganz wenige Worte, lachte auch mal, verschwand wieder. Er schien mir weniger präsent, da es einfach nichts an ihm gab, das meinen Blick angezogen hätte.
Ich stellte mich an den Tresen, bestellte einen Espresso, sagte „Grazie“ mit einem Akzent, den ich nicht loswerde, und lehnte mich leicht gegen die kühle Steinplatte.
Der erste Schluck war wie immer zu heiß, und damit genau richtig.
Ich ließ meinen Blick durch den Raum wandern, langsam genug, um nicht aufzufallen. Es ist eine Technik, die man mit der Zeit entwickelt – sehen, ohne gesehen zu werden. Oder zumindest: ohne sofort verstanden zu werden.
Ich stellte die Tasse ab, ließ meine Finger einen Moment länger am Porzellanrand liegen als nötig. Spürte die Wärme, die nachließ. Und spürte, dass es einer dieser Momente war.
Wahrscheinlich wissen Sie genau, welche Momente ich meine. Die, in denen ich mir einrede, dass ich für gewisse Gedanken längst zu alt bin. Aber dann merke, dass dies nicht die Wahrheit ist. Zwar kommen dann auch immer die anderen Gedanken, die vernünftigen. Diese sind pflichtbewusst da, stehen neben mir wie eine vernünftige (und auch etwas langweilige) Freundin und flüstern mir zu, dass ich dies lassen solle. Dass dies doch nie gut ausginge.
Doch diese Gedanken wissen, dass sie auf verlorenem Posten kämpfen. Denn mein Blick streift bereits durch den Raum und sucht etwas, vielmehr jemanden, an dem er hängenbleiben kann.
Natürlich fand er schon bald einen. Denn da war einer, nur ein paar Schritte weiter, halb an den Tresen gelehnt. Zu viel Gold, würde ich in Wien sagen. Aber hier hatte ich andere Maßstäbe.
Die Möglichkeit des Abends
19 14-22 Minuten 1 Kommentar
Die Möglichkeit des Abends
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Ach Leni ....
schreibt Stayhungry