Besonders angetan hatte es mir, dass das Hemd nicht ganz zugeknöpft war und man darunter seine Haut erkennen konnte. Schön gebräunt und ein Tattoo, das nur teilweise sichtbar war. Und wie beim Kellner – solch ein Anblick bewirkt in mir immer ein «Ich will es sehen». Und somit ein «Ich möchte ihm am liebsten das Hemd vom Leibe reißen». Nicht dass ich Tattoos allgemein unwiderstehlich fände, aber so halb verdeckte, die sind schon eine Sache für sich. Behalten Sie das aber bitte für sich. Nicht dass ich hier meine Schwächen offenbare und Sie diese später gegen mich ausspielen. Oder wenn Sie sie schon ausspielen wollen, dann bitte stilvoll. Und so, dass ich es auch genießen kann.
Aber ich schweife schon wieder ab. Weiter mit dieser Geschichte:
Ich sah hin. Natürlich zu lange. Nicht offen, nicht plump. Zumindest wollte ich das glauben – ich bin alt genug, um das diskreter zu können. Aber mein Blick blieb hängen, wanderte, kehrte zurück. Ich fragte mich, wie sich seine Haut anfühlen würde. Ob sie warm ist oder nur so aussieht. Ob seine Hände ruhig wären oder fordernd. Ob er weiß, wie er wirkt. Oder ob es ihm völlig egal ist.
Ich nahm einen weiteren Schluck, obwohl die Tasse quasi leer war, und spürte, wie sich diese vertraute Spannung in mir aufbaute. Wie die schmutzigen Gedanken überhandnahmen. Und wie ich glücklich zu grinsen begann – denn ich wollte diese – entgegen besserem Wissen – nicht missen. Und freute mich, dass sie mich auch weiterhin befielen. Denn ohne sie wäre es ja langweilig.
„Sie wirken, als würden Sie sich nicht entscheiden wollen, ob Sie Leute ganz offensiv beobachten oder einfach nur die Atmosphäre genießen möchten.“
Seine Stimme war nah. Nah genug, dass ich seinen Atem an meinem Hals spürte. Ich drehte den Kopf in seine Richtung.
„Vielleicht will ich das auch nicht“, sagte ich.
Die Möglichkeit des Abends
18 14-22 Minuten 1 Kommentar
Die Möglichkeit des Abends
Zugriffe gesamt: 743
Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.
Ach Leni ....
schreibt Stayhungry