Die Möglichkeit des Abends

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Die Möglichkeit des Abends

Die Möglichkeit des Abends

Leni Trattner

Eher kurz angebunden, denn ich musste das, was ich sah, erst einordnen. Ein Mann, deutlich jünger als ich, wahrscheinlich Mitte 30. Ebenfalls braun gebrannt, eine Sonnenbrille im Haar stecken. Aviator-Style, aber natürlich von einer teureren Marke als Ray Ban. Er trug einen beigen Leinenanzug und ein dunkles Hemd.
Er lächelte nicht sofort. Das gefiel mir. Er ließ eine kleine Pause, als würde er prüfen, ob ich mit meiner Antwort das Gespräch hätte abbrechen wollen oder nicht.
„Das ist selten“, antwortete er dann. „Die meisten entscheiden sich zu schnell.“
Jetzt sah ich ihn direkt an. „Und Sie?“
„Ich nehme mir Zeit“, sagte er. „Aber ich verschwende sie nicht.“
Das hätte prätentiös klingen können. Tat es aber nicht. Vielleicht, weil er es nicht erklärte, sondern einfach so stehen ließ.
Er stellte sich als Simone vor. Ich sagte meinen Namen, ohne nachzudenken. Es war einer dieser kleinen Momente, in denen man merkt, dass man sich bereits ein Stück weit eingelassen hat.
Sein Blick glitt über mein Gesicht, langsam, aufmerksam. Nicht gierig. Eher, als würde er sich etwas merken wollen.
„Deutsche Muttersprache“, sagte er. Keine Frage.
„Hört man das so deutlich?“
„Nur, wenn man zuhört.“
Ich nahm die leere Tasse in die Hand, drehte sie leicht zwischen den Fingern. „Und was hören Sie noch?“
Diesmal lächelte er. Ein wenig schiefer, als ich erwartet hatte.
„Dass Sie genau wissen, was Ihre Blicke bewirken können“, sagte er und blickte mir in die Augen. „Und wann es interessant wird, es ein bisschen zu übertreiben.“
Ich hielt seinem Blick stand. Einen Moment zu lang, einen Hauch zu widerspenstig im Ausdruck.
„Vielleicht teste ich nur, wer mir gewachsen ist.“
Er trat einen halben Schritt näher. Nicht genug, um aufdringlich zu sein. Genug, dass ich seine Körperwärme erahnen konnte.
„Und? Bin ich dies?

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Ach Leni ....

schreibt Stayhungry

.... du schreibst so wunderschön

Gedichte auf den Leib geschrieben