Die Möglichkeit des Abends

18 14-22 Minuten 1 Kommentar
Die Möglichkeit des Abends

Die Möglichkeit des Abends

Leni Trattner

Ein Schnitt, der nicht kaschiert, sondern selbstbewusst zeigt. Also nicht falsch verstehen, ich spreche jetzt von zu viel Ausschnitt oder einem zu kurzen Rocksaum. Nein, einfach kein «ich verstecke all meine Probleme», sondern ein «das hier bin ich und ich bin toll». Ich hoffe, dass mich zumindest die weiblichen Leserinnen verstehen werden. Und an die Herren: Lassen Sie es sich von einer Frau erklären. Sie wird dies gerne tun – und es Ihnen im besten Falle sogar zeigen.
Auf jeden Fall – ich fühlte mich einfach zufrieden mit mir, meinem Leben und meinem Körper. Als wäre ich gerade in diesem Moment am richtigen Ort und in der richtigen Version meiner selbst. Ich drehte mich leicht zur Seite, ließ meinen Blick über mich selbst gleiten. Meine Hand strich über meine Hüfte, spürte die Wärme meiner Haut unter dem Stoff.
„Geht doch“, murmelte ich leise, mehr zu meinem Spiegelbild als zu mir.
Ich dachte an Simone. Daran, wie er mich angesehen hatte. Nicht hastig, nicht fordernd. Eher, als hätte er sich bereits entschieden, mich interessant zu finden, und würde nun nur noch herausfinden, wie sehr. Ich fragte mich, wie er sich jetzt vorbereitete. Ob er überhaupt darüber nachdachte. Ob er einfach dasselbe Hemd anbehielt oder doch in ein anderes, genauso gut geschnittenes wechselte. Ob er sich im Spiegel betrachtete oder ob ihm das egal war, weil er wusste, dass sein Outfit funktioniert.
Ich stellte mir seine Hände vor, wie sie eine Uhr anlegen, Knöpfe schließen – oder bewusst einen offen lassen.
Dann trat ich näher an den Spiegel, zog mit zwei Fingern den Stoff an meiner Brust ein wenig zurecht, gerade so viel, dass es anders fiel, ein paar Millimeter mehr freigab. Danach legte ich Lippenstift auf. Einen Ton dunkler, als ich es sonst tragen würde. Es stand mir.
Ja, ich sah mich an und wusste es.

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Ach Leni ....

schreibt Stayhungry

.... du schreibst so wunderschön

Gedichte auf den Leib geschrieben